Die Anatomie einer sexuellen Revolution

Kann eine voyeuristische Wissenschaft eine gültige Basis für den Umschwung der sexuellen Sitten einer Gesellschaft bilden? 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrachteten die Vereinigten Staaten die viktorianischen Werte als den allgemein anerkannten moralischen Maßstab. Das 20. Jahrhundert endete dagegen kontrastreich mit einer vom Repräsentantenhaus eingeleiteten Anklage gegen den amerikanischen Präsidenten, der im Zusammenhang mit Ehebruch innerhalb der Oval Office Suite eine meineidige Zeugenaussage machte.

Während des Verfahrens wurde der Kongress mit den Ergebnissen von Umfragen konfrontiert, die darauf hindeuteten, dass die Mehrheit der Wählerschaft den Präsidenten trotz seines zugegebenen Fehlverhaltens unterstützte. Ein Zustand, der vor nur zehn Jahren völlig undenkbar gewesen wäre. Es kann bestenfalls gesagt werden, dass am Ende des Jahrhunderts die traditionellen moralischen Maßstäbe für viele verworren und schlecht definiert und zum Großteil aufgegeben worden sind.

Die viktorianische Moral stammte aus der traditionellen religiösen Sicht, die auf Lehren der Kirchenväter basierte und besagte, dass Sex von Natur aus schlecht sei, jedoch um der Fortpflanzung willen toleriert werde. Dieser Meinung wurde durch die Forderung des Zölibats für Priester und Nonnen, die auf diese Weise heiliger sein und hingebungsvoller Gott dienen könnten, von Seiten der Kirche noch mehr Gewicht verliehen. Diese Ansichten stehen jedoch im Kontrast zu biblischen Aussagen wie beispielsweise der Lehre, dass „die Ehe ... in Ehren gehalten werden [soll] bei allen und das Ehebett unbefleckt“ (Hebräer 13, 4), sowie der Aussage des Apostel Paulus, dass „gebieten, nicht zu heiraten“ eine teuflische Lehre ist (1. Timotheus 4, 1-3). Trotzdem glaubten aufrichtig religiöse Menschen den traditionellen religiösen Ansichten in Bezug auf Sex mehr als eineinhalb Jahrtausende lang. Sie glaubten daran, praktizierten diesen Glauben allerdings nicht immer.

Mit dem Fortschreiten des 20. Jahrhunderts wurden religiöse Lehren in einem großen Ausmaß durch wissenschaftliche Erklärungen ersetzt. Die Ansicht, dass Sex Sünde sei, wurde beiseite geschoben, was die westliche Kultur in ein moralisches Vakuum versetzte. Der Übergang von einem Extrem (jegliche Art von Sex ist Sünde) zum anderen (jegliche oder beinahe jegliche Art von Sex ist gut) vollzog sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so jäh, dass es möglicherweise überhaupt keine Übergangszeit gab.

In Wirklichkeit sind beide Standpunkte, obgleich sie grundverschieden sind, gottlose Moralitätsmodelle, da keine der Sichtweisen die sittlichen Maßstäbe Gottes widerspiegelt, wie sie die Bibel erkennen lässt.

Die viktorianische Moralität erkannte nicht den Zweck, den Gott in Bezug auf Sex vorgesehen hat -- nämlich Ehemann und Ehefrau in einer liebevollen Beziehung als „ein Fleisch“ zu verbinden. Das Buch Sprüche warnt beispielsweise wiederholt vor der Sünde des Ehebruchs, weist jedoch auch in äußerst positiver Sprache auf die Freuden ehelicher Liebe hin: „Freue dich des Weibes deiner Jugend. ... Laß dich von ihrer Anmut allezeit sättigen und ergötze dich allewege an ihrer Liebe“ (Sprüche 5, 18-19). Eine solche biblische Auffassung passte nicht besonders gut zu der viktorianischen Auffassung von Schicklichkeit. Andererseits verwarf die Antithese der viktorianischen Ansicht grundsätzlich Gottes Gebote, die vor- und außereheliche sexuelle Beziehungen verbieten (2. Mose 20, 14; 3. Mose 18, 20). Außerdem wurden durch diese Auffassung bis zu einem gewissen Grad verschiedene andere sexuelle Verhaltensweisen toleriert, die die Bibel verurteilt, wie zum Beispiel Pornografie, Prostitution, Homosexualität, Transvestie und Sodomie (3. Mose 18, 22-24; 19, 29; 20, 10-21; 5. Mose 22, 5; Mt. 5, 28).

IM KIELWASSER DER WISSENSCHAFT

Man kann mit Recht behaupten, dass einer der größten Faktoren, der die rasante Veränderung des amerikanischen (und in Folge auch des weltweiten) sittlichen Valtens beeinflusst hat, die Veröffentlichung zweier Bücher von Alfred Kinsey war: Sexual Behavior in the Human Male [Das Sexualverhalten im männlichen Menschen] (1948), gefolgt von Sexual Behavior in the Human Female [Das Sexualverhalten im weiblichen Menschen] (1953). Diese beiden Bücher, allgemein bekannt als „Kinsey-Reports“, waren von einschlagender Wirkung. Teilweise deshalb, weil Kinsey, der aus dem hohen Ansehen, das die Wissenschaft genoss, Nutzen ziehen wollte, sich selbst als passionierter und objektiver Wissenschaftler darstellte.

Den Stoff seiner beiden Bücher lieferten Interviews und Zusammenstellungen von Sexualberichten von nahezu 20,000 Personen. Kinsey, gestützt von diesen Interviews, gab bekannt, dass das amerikanische Volk, trotz seiner öffentlich konservativen Haltung bezüglich Moral, im Privatleben ein weitaus aktiveres Sexualleben führte (auf eine Art, die zu jener Zeit gesellschaftlich inakzeptabel war) als bisher angenommen. Seine Behauptung, die eine evolutionäre Sichtweise widerspiegelte, bestand darin, dass der Mensch nur eine andere Tierart sei und sich als Folge seines Säugetier-Erbes mit verschiedenen sexuellen Praktiken beschäftige. Seine Schlussfolgerung war, dass ein Individuum von der Gesellschaft nicht für etwas verurteilt werden sollte, das schlicht in seiner Natur lag. Mehr noch, er argumentierte vehement gegen traditionelle Moralvorstellungen, die sexuelle Einschränkungen befürworteten, was er nicht nur als Heuchelei befand, sondern auch als ein Übel, das Männer und Frauen auf grausame Art davon abhielt, wahre Erfüllung im Leben zu finden.

Obwohl Kinsey die Heuchelei der ihn umgebenden moralisch konservativen Gesellschaft attackierte, war er selbst -- wie Dr. James H. Jones, Professor für Geschichte an der Universität Houston in der Biografie Alfred C. Kinsey: A Public/Private Life [Alfred C. Kinsey: Sein öffentliches/privates Leben] enthüllte -- äußerst scheinheilig und ein Schauspieler, der sich in der Öffentlichkeit den Schein eines objektiven Wissenschaftlers und ganz normalen, zwanglosen Familienvaters gab, während er als Privatmensch das genaue Gegenteil war.

„Während seines Lebens“, berichtet Jones, „war Kinsey sehr darauf bedacht, den Schein eines schlichten Empirikers zu pflegen, eines Datenbearbeiters, der Sachverhalte mit wissenschaftlichem Desinteresse berichtete. ... Der Mann, den ich kennenlernte, hatte keinerlei Ähnlichkeit mit dem kanonischen Kinsey. Mit allem, nur nicht mit Desinteresse ging er mit missionarischem Eifer an sein Werk heran. Kinsey verabscheute die viktorianische Moral. ... Er war ein Geheimreformer, der jede wache Stunde darauf bedacht war, die sexuellen Sitten und die Gesetze bezüglich Sexualverbrechen in den Vereinigten Staaten zu ändern“ (S. xii).

Ein von Jones berichteter Vorfall zeigt, wie wenig Ähnlichkeit Kinsey mit dem öffentlichen Anschein eines sanften, lockeren Gentleman hatte. Im Januar 1945, berichtet Jones, erreichte Kate Mueller, damals Beraterin der Studentinnen an der Universität Indiana, eine Beschwerde von der bestürzten Mutter einer Studentin, die von Kinsey genötigt worden war, ihr Sexualleben preiszugeben. Mueller meldete die Angelegenheit dem Präsidenten der Universität, Herman Wells. Bezug nehmend auf ein Interview mit Mueller im Jahr 1971 berichtet Jones: „In der Hoffnung, ihre Meinungsverschiedenheit beizulegen, vereinbarte Kinsey einen Termin mit Studentenberaterin Mueller. Trotz seines Bemühens, sie für sich zu gewinnen, verlief das Treffen nicht sehr positiv -- milde ausgedrückt. ... ‚Er fragte mich, ob ich meine Einstellung, jene Mädchen zu unterstützen, die nicht von ihm interviewt werden wollten, nicht ändern würde. ... Ich war mir sehr klar darüber, dass ich die Mädchen niemals darum bitten würde, sich von ihm interviewen zu lassen, wenn sie es nicht von sich aus wollten‘, erklärte sie. ‚Als wir dies weiter diskutierten‘, fuhr sie fort, ‚wurde Mr. Kinsey sehr ungehalten über mich, richtig zornig und schrie mich an. ... Meine Weigerung hatte ihn zutiefst getroffen, weil ich glaube, dass das Einzige, das er nicht ertragen konnte, war, wenn jemand ihn daran hinderte, seinen Bedarf an weiteren Fallstudien zu decken‘.“

Jones zitierte weiter Mrs. Mueller, indem er ausführt, dass diese durch Kinseys Verhalten „ziemlich verängstigt“ war. Er fügte hinzu: „Er hatte sie gemein behandelt, konnte aber trotzdem der Versuchung nicht widerstehen, der Angst noch weitere Beleidigungen hinzuzufügen, bevor er ging. ‚Er [sagte] zu mir, ich sei für den Beruf, den ich ausübte, nicht geeignet; er fände, ich solle ihm meinen eigenen Bericht erzählen‘, sagte [Mueller], wobei sie das Gesicht zu einer Grimasse verzog. Sie fügte hinzu, während sie ihre Tränen unterdrückte: ‚Er ging so weit zu sagen, dass ich mich einer Behandlung beim Psychiater unterziehen solle, um meine schlechte Einstellung zu kurieren und so weiter‘“ (S. 515).

Weiter vorne in seiner Biografie kommentierte Jones die Ironie in Bezug auf Kinseys Öffentlichkeitsarbeit im Gegensatz zu seiner Privatperson: „Für einen Mann, der dafür bekannt wurde, in anderer Leute Privatsphäre einzudringen, schützte er seine eigene mit eiserner Entschlossenheit“ (S. 5). „Kinsey war ein Mann mit Geheimnissen„, behauptet Jones, „ein Mann, dessen enorme Schuld sich mit seiner puritanischen Arbeitsethik vereinigt hatte, um seine spiralfederartige Vitalität hervorzubringen. Von Kindheit an hatte Kinsey zwei Geheimnisse mit sich herumgetragen: er war sowohl homosexuell wie auch ein Masochist“ (S. 4).

KINSEY DEMASKIERT

Jones' Buch (das über 900 Seiten umfasst) basiert auf einer umfassenden Untersuchung, die Interviews mit dutzenden von Leuten enthalten, welche Kinsey in unterschiedlichen Funktionen kannten. Somit konnte er eine Seite an Kinsey zum Vorschein bringen, die zu dessen Lebzeiten vor der Presse verborgen geblieben war.

Jones schrieb beispielsweise, dass „[Kinsey] innerhalb seines engsten Mitarbeiterkreises und deren Ehepartner sein eigenes sexuelles Utopia zu kreieren suchte, eine wissenschaftliche Subkultur, deren Mitglieder nicht an willkürliche und altmodische sexuelle Tabus gebunden wären. ... Er ordnete an, dass innerhalb dieses sehr engen Kreises Männer untereinander sexuellen Verkehr haben dürften, dass Ehefrauen getauscht werden und auch selbst frei entscheiden dürften, welche Sexualpartner auch immer sie haben wollten“ (S. 603).

Jones bemerkte: „Die sexuellen Eskapaden in seiner Mansarde waren politisches Dynamit. Wenn die Presse von diesen Geschehnissen Wind bekommen hätte, wäre Kinseys Kariere auf einen Schlag beendet gewesen. Trotzdem setzte er diese Sitzungen nicht nur richtig in Szene, sondern vergrößerte die Gefahr noch, indem er davon visuelle Aufzeichnungen machte. Nur mit Wissen der unmittelbaren Teilnehmer filmte Kinsey viele dieser Sitzungen in seiner Mansarde. ... Die öffentliche Meinung hätte das Filmen sexuellen Verkehrs niemals toleriert, schon gar nicht die Art von Verhalten, welche er bevorzugte. Er hätte noch so oft ‚Wissenschaft‘ ausrufen können, die Öffentlichkeit hätte ihm ‚Pornografie‘ geantwortet„ (S. 605, 611).

In einem Kapitel der Biografie, das mit „A Report on What People Do“ [„Ein Report über das, was Menschen tun“] betitelt ist, bemerkt Jones: „Der Reiz an den Sexualstudien war, dass sie Kinsey gestatteten, seinen Voyeurismus in Wissenschaft umzuwandeln. Ehemalige Mitarbeiter erinnern sich, dass Kinsey schon ziemlich am Anfang seiner Studien Sex live zu beobachten begann“ (S. 503).

Kinseys Ansichten bezüglich Pädophilie sind immer noch für die meisten in der Gesellschaft inakzeptabel. Jones bemerkte zu einem Zitat aus The Sexual Behavior in the Human Male, in welchem Kinsey gelassen und anschaulich die zahllosen detaillierten Beschreibungen rekapituliert, die Pädophile ihm vorgelegt hatten: „Kinder, die nach Luft schnappen, schluchzen, vor Schmerz schreien und verzweifelt versuchen, ihre Angreifer, die Kinsey als ‚Partner‘ bezeichnet, abzuwehren -- dies waren Beschreibungen unglücklicher Opfer“ (S. 512) Kinsey sah das nicht so. Er war der Meinung, dass jeder Akt, der seine „wissenschaftlichen Studien“ weiterbrachte, nützlich und richtig war, selbst wenn er von Kinderschändern ausgeführt wurde.

Jones fuhr fort: „Mitte der 40er-Jahre kam Kinsey zu der Überzeugung, dass viele sexuelle Perversionen, wie sehr sie auch von der Öffentlichkeit als widerlich empfunden wurden, im Grunde genommen harmlos waren. ... Er stellte selbst die gesellschaftliche Verurteilung von Pädophilie in Frage.“ In einem Interview im Jahr 1984 sagte Paul Gebhard, ein enger Kollege Kinseys, zu Jones: „[Kinsey] teilte uns mit, dass Pädophilie nicht so negativ sei, wie sie immer dargestellt würde, dass sie unter angemessenen Umständen von Nutzen sein könne oder so ähnlich -- was heutzutage Häresie wäre. Nun ja, es war auch damals Häresie!“

FEHLERHAFTE STATISTIKEN

Kinsey war nicht nur kein unbefangener Beobachter, seine Methoden brachten außerdem ziemlich ungenaue Ergebnisse hervor. Dr. John Gagnon von der Staatsuniversität New York in Stony Brook gab in einer wohlwollenden Kritik über Kinseys Bücher in der am 18. Februar 1999 erschienen Ausgabe des New England Journal of Medicine zu, dass „die [Kinsey-] Studien besonders bezüglich der Erfassungsmethode unzulänglich seien und dass den damaligen Forschern klar war, dass das Sexualleben amerikanischer Männer und Frauen dadurch nicht richtig eingeschätzt wurde.“

Bis zu welchem Grad Kinseys Statistiken im Irrtum waren, verdeutlichte Dr.med. J.Gorden Muir. Muir behauptete in einem Artikel, der im Wall Street Journal (31. März 1993) unter der Überschrift „Homosexuals and the 10 Percent Fallacy“ [Homosexuelle und die irrtümlichen zehn Prozent] veröffentlicht wurde: „Jahrelang hieß es, zehn Prozent der Bevölkerung oder mehr seien schwul. Diese Prozentzahl, die aus Umfragen des Pioniers der Sexualforschung Alfred C. Kinsey aus den 40ern stammt, wird regelmäßig zitiert. ... Doch gibt es seit langem viele Beweise dafür, dass die geschätzten zehn Prozent weit zu hoch gegriffen sind. Groß angelegte Umfragen aus den USA, Kanada, England, Frankreich, Norwegen, Dänemark und anderen Nationen zeigen betreffend homosexueller Erfahrung eine Quote von sechs Prozent oder weniger und betreffend ausschließlicher Homosexualität eine Quote von einem Prozent oder weniger.“

Muir fährt fort und zeigt die Probleme in Kinseys Erfassungstechnik auf, die solche Irrtümer ergaben: „Etwa 25 Prozent von Kinseys 5300 männlichen Testpersonen waren Häftlinge oder Exhäftlinge; ein hoher Prozentsatz bestand aus Sexualverbrechern (ca. 1400 Sexual-Lebensberichte lagen ihm vor). Viele Befragte rekrutierten sich aus Sexualvorträgen, die sie besuchten, um Antworten auf ihre sexuellen Probleme zu bekommen; andere wurden von Leuten aus der Unterwelt und Führern homosexueller Gruppen angeworben. Unter den Interviewten befanden sich mindestens 200 männliche Prostituierte, die bis zu vier Prozent seiner Umfrage gestellt haben könnten.“ Darüber hinaus gab es auch „das Problem einer Schieflage durch freiwillige Teilnehmer“, wie der Artikel weiter erklärt, da „die sexuell Unkonventionellen erpichter darauf sind, sich über Sex zu unterhalten, als Menschen im Allgemeinen.“

Des Weiteren schrieb Gagnon in seiner Buchkritik im New England Journal of Medicine, dass „die Ergebnisse in Kinseys Werk und die Einstellungen, die in seinem Buch dargestellt wurden, rasch bis zu Reformgruppen durchsickerten, die darauf bedacht waren, Gesetze bezüglich sexuellen Verhaltens zu ändern, ... Sexualaufklärung zu fördern und alles, was sie in der amerikanischen Kultur als Heuchelei bezüglich Sexualität betrachteten, einzuschränken.“ Dies ist angesichts des bereits zitierten Kommentars Gagnons, dass „es offensichtlich war, dass [in Kinseys Berichten] das Sexualleben amerikanischer Männer und Frauen nicht genau erfasst wurde“, wirklich erstaunlich. Dennoch wurden diese Studien als „wissenschaftliche“ Basis für den Umsturz der traditionellen Sexualsitten gebraucht. In Wirklichkeit fiel das amerikanische Volk jedoch auf eine Täuschung herein, wie von Dr. Judith A. Reisman in ihrem 1990 erschienen Buch Kinsey, Sex and Fraud: The Indoctrination of a People [Kinsey, Sex und Schwindel: Die Indoktrination eines Volkes] aufgezeigt wird.

O.K. FÜR DICH -- O.K. FÜR MICH 

Alfred Kinsey und andere, die sich aktiv darum bemühten, die traditionelle Moral umzustürzen, waren teilweise erfolgreich, weil sie, obwohl ihre Fakten voller Fehler waren, ihre Botschaft als wissenschaftliche Wahrheit verkauften. Dennoch ist ebenfalls klar, dass -- so schockierend ihre Vorstellungen auch waren -- ein Großteil der Gesellschaft sie hören wollte. Kinseys Bücher förderten die irrtümliche Auffassung, dass das, was alle anderen tun, in Ordnung sein muss. Vielen, die sich vorher zurückgehalten hatten, wurde durch diese falsche Denkweise ein Gefühl „dass es erlaubt ist“ suggeriert.

Hinzu kommt, dass zur Mitte des Jahrhunderts die religiöse Autorität zu einem hohen Maße von der Autorität der Wissenschaft abgelöst wurde. Somit fielen Kinseys Verkündungen auf fruchtbaren Boden, in einer Gesellschaft, deren moralischer Unterbau nichts als eine dünne Schale und ohne feste innere Überzeugung war. Viele -- selbst unter religiösen Führern -- waren zu der Ansicht gekommen, dass biblische Lehren als rein menschliche Ideen zu betrachten seien. Folglich wurden die biblischen Gebote hinsichtlich sexuellen Verhaltens eher als eine Sammlung willkürlicher, von Menschen erdachter Tabus gesehen anstatt als göttliche, offenbarte Gesetze, welche die Menschheit durch einen potentiell schwierigen Lebensbereich leiten sollen.

Kinseys Berichte und die Bemühungen derer, die sein Material als Basis für ihre eigenen Argumentationen benutzten, bewirkten letzten Endes die sexuelle Revolution der 60er und 70er-Jahre. Im Vorwort seiner Biografie weist Jones darauf hin: „Kinsey verdient einen Platz in unseren Überlegungen, wenn wir Menschen betrachten, die dabei mitwirkten, ihr Zeitalter zu verändern. Mehr als jeder andere Amerikaner des 20. Jahrhunderts war er der Architekt einer neuen Sensibilität bezüglich eines Lebensbereichs, den jeder erfährt und dem niemand entkommt. Kinsey war der Hohepriester der sexuellen Befreiung.“

BITTERE FRÜCHTE 

Die Ergebnisse der Revolution, die Kinsey hervorrief, waren nicht der versprochene Segen eines glücklichen und sexuell erfüllten Lebens, sondern vielmehr der Beginn eines seelenlosen und tabulosen Sexualverhaltens, bei dem sogar jedwede Abartigkeit als reine Bereicherung der Möglichkeiten dargestellt wird.

Das heutige Milliardengeschäft Pornografie und die gesellschaftliche Akzeptanz, die dieser Geschäftszweig und die Darsteller erreicht haben, wären ohne die „Vorarbeit“ Kinseys nicht denkbar.

Im Gefolge der sexuellen Revolution findet man auch eine gewaltige Zunahme sexuell übertragbarer Krankheiten, ungewollter Schwangerschaften und unehelicher Kinder. Statistiken, die Hinweis auf das Ausmaß solcher Probleme geben, sind schwindelerregend. Der Sozialwissenschaftler Dr. Charles Murray vom American Enterprise Institute [Amerikanisches Unternehmens-Institut] schrieb vor einigen Jahren in einer Abhandlung des Wall Street Journal, dass uneheliche Geburten eines der größten Probleme der heutigen Zeit sind. Verschiedene Quellen schätzen, dass sich seit den frühen 60ern die Anzahl unehelicher Kinder zum Teil fast verdoppelt hat. Muir erklärt in einem 1998 erschienenen Nachtrag zu seinem Buch Sex, Politics and the End of Morality [Sex, Politik und das Ende der Moral], dass „die Ehe und die traditionelle Familie in den USA schon beinahe am Ende sind. Dreißig Prozent aller Geburten sind unehelich, siebzig Prozent innerhalb der schwarzen Bevölkerung, achtzig Prozent in einigen Innenstädten. Eine Million unehelicher Kinder kommen jedes Jahr auf die Welt.“

Die Zunahme an unehelichen Geburten zusammen mit dem enormen Zuwachs zerbrochener Ehen durch Scheidung hat eine massive Zunahme an Kindern hervorgebracht, die in mit einem allein erziehenden Elternteil aufwachsen. Die Statistiken betreffend solcher Kinder sind nicht gerade ermutigend.

Der New Yorker US-Senator Daniel Patrick Moynihan schrieb in einem Artikel unter der Überschrift „Defining Deviancy Down“ [Der Ursprung abweichenden Verhaltens] (The American Scholar, Winter 1993) über die bedeutenden Vorteile von Kindern, die sich einer Familie mit beiden Elternteilen erfreuen dürfen. Er zitierte das Beispiel des Erziehungswesens und bemerkte, dass „es in den USA momentan kein beunruhigenderes Problem in der Sozialpolitik gäbe als das des Erziehungswesens.“ Er fährt fort und weist auf den starken Zusammenhang zwischen der akademischen Leistung von Kindern und einer Familie mit beiden Elternteilen hin. In Bezug auf die Spekulationen, dass die Schande einer Scheidung und mit einem Alleinerziehenden aufzuwachsen die Basis schlechter Leistungen war, behauptet Moynihan, indem er Deborah Dawson vom Nationalen Institut für Gesundheit zitiert: „... die ungünstigen Auswirkungen... ‚basierten nicht auf erlebter Brandmarkung, sondern waren vielmehr Probleme der alternativen Familienstrukturen selbst‘ -- alternativ ist hier als abweichend von einer Familie mit beiden Elternteilen zu verstehen“, welche sozusagen bis zur sexuellen Revolution die Norm war.

Nun hat die Gesellschaft sich daran gewöhnt, wie Moynihan weiter feststellt, die Norm neu zu definieren. Er schrieb: „[Die Autorin und Sozialkritikerin] Barbara Dafoe Whitehead untersuchte in einem 1992 veröffentlichten Essay ‚The Expert's Story of Marriage‘ [Der Ehebericht eines Experten] ‚die Darstellung einer Ehe, wie sie heutzutage in Lehrbüchern weiterführender Schulen und höherer Lehranstalten vermittelt wird. ...lautet folgendermaßen: Das Leben ist voller aufregender Entscheidungsmöglichkeiten. Die Möglichkeiten, die dem Einzelnen offenstehen, der eine erfüllte persönliche Beziehung sucht, schließen den Lebensstil eines heterosexuellen, homosexuellen oder bisexuellen Singlelebens ein sowie das Leben in einer Kommune, Gruppenehe, als Alleinerziehender oder ein Zusammenleben zu zweit. Die Ehe ist noch ein weiterer möglicher Lebensstil. ... Obwohl die Ehe einen lohnenden Weg zu persönlichem Wachstum bieten kann, darf man nicht vergessen, dass sie nicht für einen sicheren oder dauerhaften Zustand sorgen kann. Viele Leute werden die Entscheidung zwischen Ehe und Singleleben öfters in ihrem Leben treffen. Scheidung stellt einen Teil des normalen Zyklus des Familienlebens dar. Sie sollte nicht mehr wie früher als von der Norm abweichend oder tragisch betrachtet werden.

Moynihan bemerkte ironisch: „Hier wird Geschichte neu geschrieben.“

ZWEI SIND BESSER ALS EINER

Moynihans Besorgnis bezüglich des gesellschaftlichen Abweichens von dem traditionellen Familienmodell mit beiden Elternteilen fand Widerhall bei Ronald Brownstein, der in einem Artikel vom 25. Oktober 1999 in der Los Angeles Times schrieb: „Eines der dringendsten sozialen Erfordernisse dieses Landes bleibt die Verminderung der Anzahl unehelicher Kinder. ... Kinder, die ohne die Unterstützung beider Elternteile aufwachsen, sind eher gefährdet, Drogen zu nehmen, die Schule abzubrechen oder selbst ein unverheirateter Elternteil zu werden.“

Das Department of Human Resources [Institut für menschliche Ressourcen] in Georgia bemerkte in Bezug auf den Bericht über beinahe 40,000 uneheliche Geburten 1995 im Bundesstaat Georgia : „Untersuchungen zeigen, dass [uneheliche] Geburten ungeachtet des Alters der Mutter in engem Zusammenhang mit späterer Abhängigkeit von Sozialhilfe, Drogenmissbrauch, Kriminalität, Armut, Langzeitarbeitslosigkeit und einem extrem hohen Prozentsatz an Schulabbrüchen stehen. ... Wird ein Kind in einen Alleinerzieherhaushalt hineingeboren, besteht eine weitaus größere Gefahr, diese negativen Erfahrungen zu machen.“

Eine äußerst rasche Verbreitung von Geschlechtskrankheiten ist eine weitere Folge der sexuellen Revolution Mitte des 20. Jahrhunderts. Die American Social Health Association (ASHA) [Amerikanischer Sozial- und Gesundheitsverband] berichtet, dass 1996 in den USA nach Schätzungen 15,3 Millionen neue Infektionen mit Geschlechtskrankheiten vorgekommen sind. Die Webseite dieses Verbands im Internet hebt die Probleme, welche mit Geschlechtskrankheiten verbunden sind, hervor und berichtet, dass jeder Fünfte in den USA an einer Geschlechtskrankheit leidet, dass zwei Drittel aller Geschlechtskrankheiten bei 25-Jährigen oder Jüngeren auftreten, dass ein Viertel aller Neuinfizierten Jugendliche von 13 bis 19 betrifft und dass die Kosten, Geschlechtskrankheiten abgesehen von AIDS zu diagnostizieren und zu behandeln, bei circa acht Milliarden Dollar jährlich liegen.

In einem Bericht mit dem Titel „Sexuell übertragbare Krankheiten in Amerika: Wie viele Fälle und welche Kosten?“ macht die ASHA die menschliche Dimension klar, indem sie behauptet: „Zusätzlich zu der ökonomischen Wirkung von Geschlechtskrankheiten schreibt die Expertenkommission der ASHA, dass Geschlechtskrankheiten auch hohe menschliche Kosten im Sinne von Schmerz, Leiden und Kummer beanspruchen.“ Dieser Erklärung folgte eine Auflistung vier häufiger von Viren übertragener Geschlechtskrankheiten: Genitaler Herpes (45 Millionen Infizierte), Humaner Papillomavirus (20 Millionen Infizierte), Hepatitis B (750,000 Infizierte durch sexuelle Übertragung) sowie HIV/AIDS (500,000 Infizierte durch sexuelle Übertragung).

Die Kosten der sexuellen Revolution und der Preisgabe sexueller Einschränkungen seitens vieler waren und sind sehr hoch.

AUF EINE LÜGE HEREINGEFALLEN 

In seinem Brief an die Gemeinde in Rom beschreibt Paulus Einstellungen und Folgen, die er im ersten Jahrhundert beobachtete und die jenen gleichen, die Alfred Kinsey und viele andere im sexuellen Sumpf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgriffen: „Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. ... Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahingegeben in die Unreinheit, so daß ihre Leiber durch sie selbst geschändet werden, sie, die Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt ... haben. ... Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften ... und [sie] haben ... Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein mußte, an sich selbst empfangen“ (Römer 1, 18. 24-27).

Es gibt sehr reale Folgen, wenn geistliche Prinzipien übertreten werden. Unsere Gesellschaft und unsere Kinder leiden unter den Konsequenzen der Anerkennung falscher Prinzipien, die auf trügerischen Schlussfolgerungen und fehlerhaften „wissenschaftlichen“ Beweisen basierten.