Weisheit für diese Zeiten finden

Vor einigen Jahren wurde uns der Gedanke nahegelegt, die Menschheit gehe mit großen Schritten darauf zu, empathischer und weniger gewaltbereit zu werden – „die besseren Engel unseres Wesens“ gewännen die Oberhand über unsere niederen Instinkte. Das Argument stützte sich auf große Mengen von Daten, dargestellt in vielen Grafiken und Listen, die scheinbar zeigten, dass wir uns zu besseren Menschen entwickeln.

Es stimmt, dass grenzenlose Technologie uns näher zusammengebracht hat, dass das Mitgefühl für Opfer von Katastrophen verstärkt wird, wenn rund um die Uhr Nachrichten vom Ort des Geschehens kommen. Es stimmt, dass der Einsatz für Menschenrechte uns tolerantere Gesellschaften gebracht hat, dass Europäer über 70 Jahre nicht mehr gegeneinander Krieg geführt haben, dass Demokratie und Kapitalismus weitgehend für mehr Chancengleichheit in aller Welt gesorgt haben. Dennoch zeigen sich erneut gefährliche Gegenströmungen.

Wie ist der Anstieg des Antisemitismus zu erklären? Der Siegeszug von Nationalisten und Autokraten in sonst demokratischen Ländern? Und der durch die Forschung belegte Rückgang von Empathie bei Jugendlichen?

Sind wir von Geburt an gut, böse oder neutral? Ist das Wesen des Menschen so formbar, dass es auf der guten oder der bösen Seite landen kann, je nach den Umständen? Welche Rolle spielen Werte bei der Schaffung und Bewahrung stabiler Gesellschaften? Welche langfristigen Schäden sind die Folge, wenn ethische und moralische Normen über Bord geworfen werden?

Mit der Technologie zur Genkorrektur ist einerseits die Aussicht verbunden, schwere Krankheiten und lebenslange Störungen auszumerzen, andererseits aber auch die Realität genetischer Katastrophen. Die jüngst bekannt gewordene Manipulation von Genmaterial durch einen chinesischen Forscher, deren Folgen noch nicht absehbar sind, wurde weltweit verurteilt. Doch wenn dieser Flaschengeist einmal frei ist – wer wird andere daran hindern, diese Technologie für andere – potenziell schädliche – Zwecke zu nutzen? Bislang gibt es keine weltweit vereinbarte Kontrolle.

Auch wenn wir in einigen Aspekten vielleicht empathischer und weniger gewaltbereit werden – die naturgegebene Neigung des Menschen, zuerst und vor allem im eigenen Interesse zu handeln, ist allgegenwärtig. So kann eine ansonsten gutartige Technologie für nationalistische Zwecke missbraucht werden.

Was ist zum Beispiel, wenn veränderte Gene im Dienst des Staates als Waffen eingesetzt werden?

„Das Zusammentreffen von niedrigen Kosten und hoher Verfügbarkeit bedeutet, dass Anwendungen zur Veränderung von Genen – sowohl positiv als auch negativ – von Menschen oder Staaten kommen könnten, die außerhalb der herkömmlichen Wissenschaftsgemeinschaft operieren.“

DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency, US-Organisation für Forschungsprojekte der Verteidigung), „Setting a Safe Course for Gene Editing Research“ (7. September 2016)

Die dunkle Seite des Menschen kann wieder Wege finden, um ein Land von rassisch oder politisch Ausgegrenzten zu „befreien“. In seinem Bemühen, die Klasse der Bauern zu vernichten, vertrieb Stalin sie von ihrem Land; die Folge war eine Hungersnot, bei der fünf bis acht Millionen Menschen starben. Wie schon Lenin vor ihm machte er internen Terror zu einem staatlichen Instrument, das viele weitere zu Tode brachte. Dies hatte Fjodor Dostojewski kommen sehen, als er schrieb: „Ein Tier kann niemals so grausam sein wie der Mensch, so ausgeklügelt, so kunstvoll grausam.“ Einige Jahre später gab es weiter westlich industrialisierte Nazi-Todeslager, geschaffen von Männern, die ihrem Führer gefällig sein wollten – einem Mann ohne die geringste Spur von Empathie.

Wir dachten vielleicht, solche Zeiten seien Vergangenheit. Aber totalitäre Führer und Autokraten kommen in vielen Ländern wieder nach oben. Im Mittleren Osten sind viele Unschuldige ausgebombt, mit Chemikalien attackiert und dem Hungertod preisgegeben worden. Sind das isolierte Einzelfälle, während der Trend insgesamt zum Guten geht? Oder sehen wir hier wieder die Tendenz des Menschen, zwischen Gut und Böse zu pendeln, je nach Eigeninteresse, Ehrgeiz und Machthunger?

Was können Sie und ich als Einzelpersonen angesichts dieser Fragen und Entwicklungen tun? Es ist zu bezweifeln, dass wir gegen die Kräfte von Staaten sehr viel ausrichten können. Was wir tun können, ist dafür sorgen, dass unser eigenes Wesen als Menschen dauerhaft auf das Gute ausgerichtet ist. Wir haben die Möglichkeit, Kinder mit Gewissen und Empathie zu erziehen. Seelenfrieden kann man in den schlimmsten Situationen erreichen. Vision hat viele Artikel zu diesen Themen. Wie immer ist unsere Basis die Bibel – die eine Quelle, auf die wir nach unserer Überzeugung vertrauen können, dass sie Weisheit für das Leben zu allen Zeiten bietet.