Erziehung zur Verbundenheit

Manche nennen diese Charakterstärke „prosoziale Verbundenheit“, aber man kann sie einfach auch als die Fähigkeit verstehen, Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen und sich aktiv um sie zu kümmern. Wie können Eltern ihren Kindern helfen, diese lebenswichtige Fähigkeit zu entwickeln?

Woran liegt es, dass manche Heranwachsende gefährdet sind, lebenslang psychische Probleme und Verhaltensstörungen zu entwickeln, während andere offenbar damit zurechtkommen, was das Leben ihnen entgegenwirft, während sie heranreifen? Psychologen erklären, dass es darauf ankomme, in der Kindheit bestimmte Fähigkeiten oder Kompetenzen zu erwerben, die ein ganzes Leben lang unserem Wohlergehen dienen, wie z. B. Entscheidungsfähigkeit, Selbstbeherrschung, ein gesundes Selbstbild, ein System moralischer Überzeugungen – und etwas, das sie „prosoziale Verbundenheit“ nennen.

Die Bedeutung dieser letzten Eigenschaft ist vielleicht nicht ganz so selbstverständlich wie die der anderen. Es ist offensichtlich, warum Entscheidungsfähigkeit und Selbstbeherrschung für das Leben entscheidend sind, und wir alle wissen, dass Beziehungen ihren Platz haben. Aber sind sie nicht nur das Sahnehäubchen? Schließlich weiß jeder, dass Politik und Wirtschaft auf die ersten Seiten der Zeitung gehören und die Rubrik „Gesellschaft“ auf die hinteren. Warum gebührt diesem Thema ein Platz unter den wenigen echten Notwendigkeiten des Lebens?

Kurz gesagt: Soziale Beziehungen sind wichtig, weil sie von grundlegender Bedeutung für die ganzheitliche politische, soziale und wirtschaftliche Struktur der Menschheit sind. Genau so, wie ein gesundes Gehirn aus Neuronen besteht, die miteinander kommunizieren und verbunden werden, um ein komplexes, effizientes System zu bilden, besteht auch eine gesunde Gesellschaft aus einzelnen „Gehirnen“, die mit anderen kommunizieren und zu komplexen sozialen Systemen verbunden werden.

Das bedeutet nicht, dass alle sozialen Beziehungen gleichwertig sind. Manipulative und eigennützige Menschen können z. B. genügend positive Verhaltensweisen erlernen, um auf einer oberflächlichen sozialen Ebene zu anderen in Beziehung zu treten, und dennoch die psychische Gesundheit und das Wohlergehen aller Menschen in ihrem Umfeld zerrütten und zu schweren Störungen des „neuronalen Netzes“ der Menschheit beitragen. Solche Menschen nennen wir antisozial oder, wenn dieses Verhalten extrem ist, Psychopathen oder Soziopathen – fast austauschbare Bezeichnungen für Personen, die wenig oder gar keine Empathie für andere zeigen. Die Forschung befasst sich mit diesen Gruppen, um Lösungen für die gesellschaftlichen Probleme zu finden, die sie verursachen.

Doch bestätigt nicht genau diese menschliche Neigung, sich auf das Negative zu konzentrieren, dass wir als Gesellschaft mit dem Begriff antisozial mehr anfangen können als mit seinem Gegenteil? Wie oft hören wir überhaupt das Wort prosozial, ganz zu schweigen davon, dass wir über seine Definition nachdenken?

Antisozial – nicht zu verwechseln mit asozial (damit wird das Vermeiden von Interaktion bezeichnet) – ist ein Verhalten, das aktiv feindselig gegenüber der Gesellschaft ist. Prosozial ist hingegen ein Verhalten, das aktive Fürsorge für andere zeigt: Empathie, Selbstlosigkeit, Freundlichkeit, Integrationsbereitschaft. Es äußert sich z. B. darin, Schwache zu verteidigen oder durch Frieden stiftende Gesten Konflikte zu beenden – kurz, es ist das Verhalten, das die Goldene Regel beschreibt: Behandelt andere so, wie ihr selbst behandelt werden möchtet (Matthäus 7, 12).

Die meisten Eltern dürften sich wünschen, dass ihre Kinder prosoziale Beziehungen aufbauen, und das aus gutem Grund. Kinder mit Beziehungen dieser Art kommen in fast jedem Lebensbereich besser zurecht. Sie gehen weniger Risken ein und haben weniger psychische Probleme, weil sie belastbarer sind. Zudem sind andere wichtige Fähigkeiten bei ihnen stärker ausgeprägt. Sie gehen länger zur Schule und tun dies mit besseren Ergebnissen. Sie leben sogar länger und leisten währenddessen mehr für die Gesellschaft.

Eltern schaffen eine emotionale Basis, auf der junge Menschen andere Beziehungen aufbauen können.“

Jennifer Connolly und Caroline McIssaac, “Romantic Relationships in Adolescence” in Social Development

Es gibt keine konkrete Zahl dafür, wie viele prosoziale Beziehungen nötig sind, um diese Vorteile zu bewirken. Doch sicher ist: Kinder brauchen die einzigartigen Erfahrungen aus einer Vielfalt von Verbindungen zu Erwachsenen wie auch Gleichaltrigen. Eltern, Tanten, Onkel, Großeltern, Lehrer und andere Erwachsene geben Kindern Gelegenheit, Beziehungen mit Autoritätspersonen einzuüben. Beziehungen mit anderen Kindern – Geschwistern, Cousinen und Cousins, Klassenkameraden und sonstigen Freunden verschiedener Altersgruppen – bieten Gelegenheit, relativ gleichberechtigte Interaktionen auf Augenhöhe zu üben.

Natürlich gehört ein gewisses Maß an Sozialkompetenz dazu, diese wichtigen Beziehungen zu knüpfen und zu halten. Woher kommt sie? Wie können wir als Eltern dafür sorgen, dass sich unser Kind zu einem hilfsbereiten, fürsorglichen und integrationsbereiten Menschen entwickelt, dass es sicher und proaktiv in ein gesundes soziales Netz eingebunden wird?

Im Idealfall beginnen wir damit bei der Geburt (und möglicherweise noch früher).

BINDUNGEN AUFBAUEN 

Wie fast jede andere wichtige Fähigkeit im Leben beruht die Fähigkeit zu prosozialer Verbundenheit auf Prozessen der Selbstregulierung (s. „Kinder erziehen: Die Kunst der Selbstbeherrschung“). Besonders wichtig für die Entwicklung prosozialer Fähigkeiten sind zwei Grundvoraussetzungen: die Ressourcen, die Kinder von Geburt an aufbauen, um ihre negativen Empfindungen und Emotionen zu regulieren, und die Fähigkeit, Emotionen anderer stimmig wahrzunehmen und zu beantworten. Diese Fähigkeit, die sich später entwickelt, ist unverzichtbar dafür, in Beziehungen eine gemeinsame Basis zu finden und Konflikte zu lösen. Kindern prosoziale Fähigkeiten zu vermitteln, erfordert daher weit mehr, als ihnen eine Liste logischer Gebote und Verbote für Verhaltensweisen mitzugeben. Es bedeutet, die emotionalen Prozesse des Gehirns zu trainieren, lange bevor die logischen Prozesse auch nur beginnen. Die erste Aufgabe von Eltern ist es also, emotional mit ihren Kindern in Verbindung zu sein.

Eltern, die auf ihre Kinder eingestimmt sind, haben gelernt, deren emotionalen Zustand zu erkennen, ihre Zeichen zu verstehen, mit ihnen zu fühlen und mit Fürsorge zu reagieren. Es ist dieses Eingestimmtsein der wichtigsten Bezugspersonen eines Kindes in den ersten Lebensjahren, das lebenslang den Stil prägt, in dem es Beziehungen eingeht und aufrechterhält – seinen Bindungsstil. Bindung bedeutet weit mehr als nur eine Verbundenheit, die auf Zuneigung beruht. Bindung ist etwas, bei dem ein Mensch Sicherheit und Zuspruch in der Beziehung mit der Bindungsperson sucht. „Eine Bindung wird als ,sicher‘ empfunden, wenn man Geborgenheit erreicht, und als ,unsicher‘, wenn dies nicht eintritt; es ist das Streben nach Geborgenheit, das diese Beziehung definiert“, erklärt der Psychologe Jude Cassidy von der University of Maryland.

Kinder ohne sichere Bindung entwickeln eine geringere psychische Belastbarkeit als andere, und ihre Fähigkeit, eigene Emotionen zu regulieren oder die Emotionen anderer korrekt wahrzunehmen, ist eingeschränkt. Infolgedessen sind sie auch anfälliger für Stress, Angst und Depression.

Gewiss spielen auch Gene eine Rolle, aber Gene sind nicht notwendigerweise Schicksal. Wir wissen heute, dass auch das soziale Umfeld eines Kindes ein sehr wichtiger Bestimmungsfaktor dafür ist, ob genetische Potenziale zur Ausprägung kommen. Viele Gene, die als entscheidend für prosoziales Verhalten identifiziert sind, werden durch unterschiedliche Umweltfaktoren und in verschiedenen Entwicklungsphasen aktiviert, beginnend mit der Geburt. All dies lässt sich in einer wichtigen Regel zusammenfassen und mitnehmen: Kinder lernen nur dann, ihre eigenen negativen Empfindungen zu regulieren – oder die negativen Empfindungen anderer zu beachten – wenn sie zuvor Beachtung und Fürsorge von Bindungspersonen erfahren haben, die auf sie eingestimmt waren, auf ihre emotionalen Zeichen reagierten, sich um sie kümmerten, wenn es ihnen schlecht ging, und ihnen eine sichere Basis für die Erkundung der Welt gaben.

ERZIEHUNG ZU SOZIALER KOMPETENZ 

Das Bedürfnis des Kindes nach Schutz und Fürsorge ist schon am Anfang des Lebens vorhanden, und wie die Bezugspersonen auf dieses Bedürfnis reagieren, spielt eine große Rolle bei der Entwicklung von Empathie und prosozialem Verhalten,“ bemerken Joan E. Grusec und Amanda Sherman vom Social Development Lab der University of Toronto. Frau Grusec und ihre Kollegin Maayan Davidov bieten eine nützliche Verständnishilfe für die Rolle von Eltern bei der Erfüllung dieser Bedürfnisse. Sie nennen fünf Einflussbereiche, die bei der Ausprägung prosozialer Fähigkeiten in jeder Phase der Kindheit zusammenwirken.

Kleine Kinder streben nach förderlichen Beziehungen und werden ständig durch sie beeinflusst; die erste ist die Beziehung zu den Eltern …“

Marion K. Underwood und Lisa H. Rosen,Social Development

Der erste Einflussbereich ist Schutz: Wenn Kinder, denen es schlecht geht, Hilfe von fürsorglichen Bezugspersonen bekommen, wird ihre eigene Fähigkeit zu Empathie und aktiver Fürsorge gestärkt. Besonders wichtig ist dies für den Aufbau von Bindungen in der frühen Kindheit, doch bleibt es während der mittleren Kindheit und Adoleszenz weiterhin von Bedeutung. Grusec und Sherman zufolge entwickeln Kinder von Eltern, die sich darauf verstehen, sie zu trösten, bessere Bewältigungsfähigkeiten und ihre Lehrer berichten, dass sie prosozialer sind als andere Kinder. Teenager, die bei ihren Eltern emotionale Unterstützung suchen, wenn sie persönliche Probleme haben, und diese dann auch bekommen, zeigen spezifische moralische Werte, die für prosoziales Verhalten wichtig sind – z. B. Fairness, Ehrlichkeit und Güte.

Ein zweiter Bereich, Reziprozität (Gegenseitigkeit), bezieht sich auf wechselseitigen positiven Austausch. Spielerische Interaktion zwischen Eltern und ihren Babys ist ein Beispiel für diesen Einfluss. Wenn Kinder größer werden, sollten sie lernen, dass ihre Eltern gern Zeit mit ihnen verbringen und Freude daran haben, vernünftige Wünsche eines Kindes zu erfüllen. Kinder ahmen dieses Verhalten gegenüber ihren Eltern und anderen nach und kommen deren vernünftigen Wünschen dann ebenfalls mit Fürsorge und Freude entgegen.

Der Kreis des wechselseitigen Einflusses weitet sich, wenn Kinder heranwachsen und eine größere Zahl von Kontexten erleben, in denen gegenseitige Unterstützung gegeben und empfangen wird, z. B. beim Sport oder bei Gruppenarbeit in der Schule. In all diesen Bereichen wird prosoziales Verhalten durch Dank, Akzeptiertwerden und Unterstützung sehr wirksam verstärkt. In einem Umfeld, wo Dankbarkeit und Unterstützung zum Ausdruck gebracht werden, haben Kinder und Heranwachsende mehr Vertrauen in ihre prosoziale Kompetenz und übernehmen mehr Verantwortung dafür, ihre Emotionen zu regulieren und mit anderen zu fühlen.

Ein dritter Einflussbereich betrifft eine angemessene elterliche Kontrolle, die so ausgeübt wird, dass dem Kind genügend Autonomie bleibt, um den Zusammenhang zwischen persönlichen Entscheidungen und Konsequenzen herzustellen. Wenn elterliche Kontrolle darin besteht, einfach von außen Werte vorzugeben, kann sie eine vorübergehende, nützliche Gewohnheit bewirken, doch diese wird keinem Druck standhalten. Dagegen scheint der biblische Rat, Kinder an den Weg zu gewöhnen, den sie gehen sollen (Sprüche 22, 6), nahezulegen, dass es eine Art gibt, Werte zu vermitteln, die nachhaltig bis ins Alter wirkt. Die moderne Forschung bestätigt dies: Wenn Kinder positives soziales Verhalten als Bestandteil ihrer Identität wertschätzen, bleiben sie dabei, auch unter schwierigen Bedingungen. Doch die Voraussetzung für dieses Maß an Verinnerlichung ist, dass Eltern das Verhalten, das sie bei ihren Kindern sehen wollen, vorleben – sowohl ihren Kindern als auch anderen gegenüber. Alle Eltern wissen es: Kinder beobachten die, die sie lieben, und ahmen sie nach.

Über die Beispielspielfunktion hinaus sind Eltern auch dafür verantwortlich, ihre Kinder direkt zu unterweisen und positives Sozialverhalten zu fördern. Wie? Handfeste Belohnungen und Strafen haben gewiss ihren Platz. Doch es könnte überraschen, wie wirkungsvoll elterliche Worte des Dankes und des Lobes Kinder motivieren. Anerkennung dafür, dass sie unsere Standards erreicht haben, stärkt ihr Gefühl, etwas leisten zu können, Probleme kreativ lösen zu können und zu etwas zu gehören, das größer ist als sie selbst. Tatsächlich haben Studien bei kleineren Kindern wie auch Heranwachsenden ergeben, dass die richtige Art Lob und Bestätigung für positives Verhalten („Du warst lieb zu dem Kind; ich bin richtig stolz auf dich.“) in engem Zusammenhang mit der Verinnerlichung prosozialer Werte und Verhaltensweisen steht, während pauschale Bewertungen („Du bist der beste kleine Junge auf der ganzen Welt!“) sogar schaden können.

Damit Lob und Bestätigung wirksam sind, müssen Kinder allerdings überzeugt sein, dass sie selbst sich für das positive Verhalten entschieden haben. Das bedeutet nicht, dass Eltern dabei keine Rolle spielen. Es verlangt vielmehr von ihnen, sich tief genug auf ihre Kinder einzulassen, um deren Perspektive zu erkennen und zu wissen, wann sie eingreifen und ihnen helfen müssen, ihr Denken zu korrigieren und die Situation mit den Augen anderer Menschen zu sehen. Wenn Kinder verstehen, warum und wie andere Hilfe brauchen, und durch Empathie motiviert sind, diese Hilfe zu leisten, bewirken Lob und Bestätigung, was Eltern wollen: Das Verhalten wird verinnerlicht. Werden Kinder hingegen für mechanisch eingeübte Verhaltensweisen gelobt, ohne deren Notwendigkeit zu verstehen, lernen sie, durch Streicheleinheiten für ihre Selbstachtung motiviert zu werden.

Hier schließt der vierte Einflussbereich an, den Grusec und Sherman identifiziert haben: geführtes Lernen. Es kann zu Hause geschehen, in der Schule, in der Mannschaft beim Sport und in vielen anderen sozialen Kontexten. Eltern übernehmen natürlich die Führung, indem sie aktiv und altersgerecht über soziale und emotionale Themen reden, noch ehe ihre Kinder sprechen können. Ebenso, wie Eltern auf Dinge im Haushalt zeigen und deren Namen nennen, können sie auch auf ein „trauriges Gesicht“ oder ein „frohes Gesicht“ zeigen und die entsprechenden Emotionen benennen. Die Forscherinnen schreiben: „Bei Kleinkindern, deren Mütter versuchen, Emotionen zu erklären, wenn sie mit ihnen sprechen, und sie zum Benennen von Emotionen anleiten, ist es wahrscheinlicher, dass sie versuchen, die emotionale Befindlichkeit anderer zu verstehen, und Mitgefühl für andere ausdrücken.“

Wenn Kinder größer werden und weiter sozial interagieren, bieten sich Eltern zusätzliche Möglichkeiten, sie beim Lernen über die Emotionen und Absichten anderer zu leiten. Kinder brauchen z. B. Hilfe, um zwischen absichtlichen und unabsichtlichen Handlungen sowie Ursache und Wirkung zu unterscheiden, wenn sie mit anderen Kindern spielen.

Forschungsergebnissen zufolge erreichen Kinder mit 13 Monaten eine wichtige Etappe, wenn ihnen bewusst wird, dass manche Absichten nur einzelnen Personen zuzuordnen sind, andere dagegen ganzen Gruppen. Mit dieser Erkenntnis beginnt ein fünfter Faktor wichtig für sie zu werden: Gruppenzugehörigkeit. Dies bezieht sich einfach auf die Tatsache, dass wir alle dazugehören wollen; und um das zu erreichen, eignen wir uns die etablierten Routinen der Gruppe an, mit der wir uns identifizieren. Schon kleine Kinder zeigen ein tiefes Bestreben, akzeptierten Normen zu entsprechen. Dieses Bestreben können Eltern konstruktiv nutzen, indem sie ihnen Beispiele positiven Verhaltens vor Augen führen – in der Familie, in den Medien oder im sozialen Umfeld. Das Bestreben, sich mit einer größeren Gruppe zu identifizieren, kann sehr hilfreich dabei sein, die Selbstidentität eines Kindes als fürsorglicher und aktiver „Helfer“ zu stärken, doch es kann auch fehlgeleitet werden: Die falsche Art des Medienkonsums und andere Gruppeneinflüsse können natürlich antisoziales Verhalten verstärken.

[Hundertjährige] wurden gebeten, das Geheimnis eines über hundertjährigen Lebens zu erklären. Eines der am häufigsten genannten Geheimrezepte für ein langes, gesundes und glückliches Leben war, gute Freunde zu haben.“

William M. Bukowski, Duane Buhrmester und Marion K. Underwood, “Peer Relations as a Developmental Context” in Social Development

Was haben all diese Einflussbereiche gemeinsam? Das Nachmachen. Das Verhalten der Erwachsenen in ihren Beziehungen spiegelt sich im Verhalten ihrer Kinder wider. Dies sollte Eltern sehr deutlich machen, dass das erwünschte Ziel nicht zu erreichen ist, wenn man nur negatives Verhalten abstraft. Kinder müssen zu aktivem, positivem Verhalten angeleitet werden. Es reicht nicht aus, dass Eltern in ihren eigenen Interaktionen antisoziales Verhalten vermeiden; sie müssen in ihrer Elternrolle aktiv prosozial handeln: über Emotionen sprechen; in Worten und Taten Empathie, Bestätigung, Dankbarkeit, Liebe, Verzeihen und Unterstützung zeigen; vernünftige Wünsche erfüllen und sich Zeit für angenehmes, positives Zusammensein mit ihren Kindern nehmen.

Ob wir wollen oder nicht – wir formen unsere Kinder nach unserem Bild. Wie werden sie mit uns verbunden sein? Wie werden sie in ihrem Leben mit wichtigen Bezugspersonen und mit der übrigen Menschheit verbunden sein? Die Antworten auf diese Fragen lassen sich recht genau vorhersagen, einfach indem wir prüfen, wie die Kinder uns in unserer Verbundenheit mit anderen erleben.

Zum Glück ist es für niemanden je zu spät, um sich zu ändern. Doch wenn es darum geht, Kinder an den richtigen Weg zu gewöhnen, stehen Eltern in der Verantwortung, schon früh die ersten, positiven Schritte zu gehen.