Bindemittel des Lebens: Sex im 21. Jahrhundert

Ein Kinderlied, mit dem sich früher amerikanische Jugend-liche auf dem Schulhof neckten, endete mit dem Reim: „First comes love, then comes marriage, then comes junior in a baby carriage (Erst kommt die Liebe, dann die Ehe, dann kommt Junior im Kinderwagen)“. 

Das war noch vor nicht allzu langer Zeit die anerkannte Ordnung der Dinge: Liebe, dann Ehe, dann eine Familie. Der Jugendliche, der damit auf dem Schulhof aufgezogen wurde, wurde vielleicht rot angesichts der Anspielung auf sein Liebesleben, aber kam nicht im Traum darauf, diese Reihenfolge abzulehnen, die zur traditionellen Kernfamilie führte. Jeder wusste, wie die Gesellschaft es erwartete: Ein Junge lernt ein Mädchen kennen, sie verlieben sich und heiraten. Dann, wenn alles gut geht, bekommen sie Kinder. Sie spielen mit in der Lotterie des Lebens im Hinblick darauf, ob diese Kinder gesund oder kränklich, Mädchen oder Jungen, klein oder groß werden, ob sie mehr der Mutter oder mehr dem Vater ähnlich sehen. Doch auf jeden Fall kaufen sie die „Lottoscheine“ erst nach der Hochzeit. Sex -- früher die einzige Möglichkeit, Kinder zu bekommen -- galt offiziell als für die Ehe reserviert.

Mehrere sexuelle Revolutionen später gibt es keine bestimmte, vorgeschriebene Reihenfolge mehr. Junge lernt Mädchen kennen, sie schlafen und leben zusammen, ohne zu heiraten. Vielleicht haben sie Kinder, vielleicht auch nicht; schließlich müssen beide arbeiten, um in unserer kostenintensiven Konsumgesellschaft ihr Auskommen zu haben. Oder ein Junge lernt ein Mädchen kennen, sie mögen sich und gehen unverbindlich miteinander ins Bett. Oder Junge lernt Jungen kennen. Oder Mädchen lernt Mädchen kennen. Vielleicht wollen sie keine Ehe oder langfristige Beziehung; vielleicht wollen sie nur Spaß haben. Sex wird nur als evolutionsbiologische Notwendigkeit gesehen -- ein „animalisches Bedürfnis“, das man ungehemmt jederzeit mit irgendwem befriedigen kann. Er hat sich über seinen Zweck hinausentwickelt, wie er früher wahrgenommen wurde: eine Bindung zwischen Eheleuten, die gleichzeitig für Entspannung und für Fortpflanzung da war und die ein sicheres Nest schuf, um eine Familie großzuziehen.

Der Begriff Familie selbst ist ziemlich vieldeutig geworden. Lexika definieren sie vielleicht als „ein Vater, eine Mutter und ihre Kinder“ oder als „Gemeinschaft von Personen, die in einem Haus leben“. Der verstorbene Anthropologe George Murdock definierte die Familie als „eine soziale Gruppe, gekennzeichnet durch einen gemeinsamen Wohnsitz, . . . [mit] Erwachsenen beiderlei Geschlechts, von denen mindestens zwei eine gesellschaftlich anerkannte sexuelle Beziehung haben, und einem oder mehreren Kindern“.

FORTGESCHRITTENE SCHWANGERSCHAFT 

Die Familienmodelle haben sich bereits erheblich verändert, doch einige Soziologen glauben, dass jetzt noch weitere Veränderungen bevorstehen, da die Fortschritte in der Fortpflanzungstechnik den Aspekt der „sexuellen Beziehung“ überflüssig machen könnten, zumindest für den Aspekt, Kinder hervorzubringen.

Dianne Bartels, stellvertretende Direktorin am Bioethik-Zentrum der University of Minnesota, stimmt dieser Einschätzung zu. „Die Fortpflanzungstechnik wirkt sich direkt auf die traditionelle Familie aus“, sagte sie in einem Interview mit Vision. „Bei all den Scheidungen, Wiederheiraten und ineinander verwobenen Familien gibt es die Kernfamilie in den USA nur noch in jedem zweiten Fall oder seltener. Da diese Techniken verfügbarer werden, wird es immer weniger als notwendig gelten, einen andersgeschlechtlichen Partner zu haben, um Kinder zu bekommen.“

Technische Verfahren, die schon jetzt angewandt werden, ermöglichen es, dass Alleinstehende und gleichgeschlechtliche Paare sich fortpflanzen. Für eine alleinstehende Frau oder ein lesbisches Paar ist nur ein Samenspender nötig. Mit In-vitro-Fertilisation oder künstlicher Befruchtung könnten eine oder beide Partnerinnen eigene Nachkommen haben. Ein alleinstehender Mann oder ein schwules Paar müsste beim heutigen Stand der Technik eine Eispenderin und/oder Leihmutter bemühen. Sollte jedoch künftig die Embryonenverschmelzung verfügbar werden, so würde es für homosexuelle Paare noch einfacher, gemeinsame leibliche Kinder zu bekommen. Bei diesem Verfahren könnte das Sperma zweier verschiedener Männer miteinander verschmolzen und einer Leihmutter eingepflanzt werden. Oder die Eizellenkerne zweier Frauen würden zu einem Ei verschmolzen und in-vitro mit Spendersamen befruchtet.

Künftigen Generationen könnte eine fast unendliche Vielfalt von Alternativen zum Sex offen stehen, um sich fortzupflanzen. 

Immer mehr Wissenschaftler glauben, dass künftigen Generationen eine fast unendliche Vielfalt von Alternativen zum Sex offen stehen wird, um sich fortzupflanzen, darunter die künstliche Gebärmutter, die Schwangerschaft für den Mann und sogar das Klonen. Solche Möglichkeiten stehen allerdings nicht so kurz vor der Verwirklichung, wie es den Anschein hat.

Nehmen wir in diesem Sinne zum Beispiel das Klonen. „Wenn wir von Dolly und anderen geklonten und transgenen Tieren hören“, sagt W. French Anderson, der Direktor der Laboratorien für Gentherapie an der medizinischen Fakultät der University of Southern California, „entsteht der Eindruck, es könnte nur noch ein kleiner Schritt sein von gentechnischen Eingriffen in die Keimbahn von Haustieren zu gentechnischen Eingriffen in die menschliche Keimbahn.“ Andersen, der als Vater der Gentherapie gilt, erklärte Vision, der Sprung zum Klonen am Menschen sei wohl längst nicht so bald zu erwarten: „95 bis 99,9% aller künstlich hergestellten Embryonen sind geschädigt. Die meisten sind letal geschädigt und führen nicht zu Lebendgeburten. Doch selbst die Lebendgeburten sind häufig missgebildet und sterben wenig später.“ Er hält Versuche, gentechnisch in die menschliche Keimbahn einzugreifen, für unethisch, solange die Erfolgsquote bei Tieren nicht deutlich gestiegen ist.

DAS PERFEKTE KIND 

Vielleicht kann die Gentechnik jungen Eltern jedoch andere Möglichkeiten bieten, um ihren Wunsch nach perfekten Nachkommen zu erfüllen. Eugenische Gentechnik wird zum Beispiel als die Fähigkeit definiert, komplexe menschliche Eigenschaften wie Körperbau, Persönlichkeit und Intelligenz zu verändern. Anderson gesteht, dass er vor 19 Jahren meinte, eine solche Leistung sei noch viele Jahrzehnte von der Verwirklichung entfernt. Heute sieht er voraus, dass sie tatsächlich in den nächsten 20 Jahren Realität werden könnte.

Der Molekularbiologe Lee Silver von der Princeton University gibt den gleichen Zeithorizont an wie Anderson. „Spätestens dann [in 20 Jahren]“, bemerkt er, „werden Eltern wählen können, welche von ihren Eigenschaften sie an ihre Kinder vererben wollen und welche nicht. Eltern könnten aus einem Katalog Eigenschaften aussuchen, mit denen sie ihre Kinder zusätzlich ausstatten wollen.“ Kinder mit den Merkmalen unserer Wahl zu produzieren, könnte durchaus das ultimative Einkaufserlebnis werden.

Technologische Fortschritte wie diese beginnen natürlich im Normalfall mit guten Absichten, lösen aber oft ethische Konflikte aus. Harry Griffin, stellvertretender Direktor des Roslin Institute (wo Dolly, das geklonte Schaf, produziert wurde), kommentiert: „Einerseits hat die Gentechnik ein immenses Potential zum Guten: unfruchtbaren Paaren zu helfen, Eltern zu werden, Krankheiten zu heilen oder bessere Behandlungsmöglichkeiten zu liefern. Doch diese Fähigkeit kann auch missbraucht werden.“

George Khushf, der geisteswissenschaftliche Direktor des Bioethik-Zentrums an der University of South Carolina, fügt hinzu: „Wenn irgendeine neue Technologie eingeführt wird, machen die Menschen den typischen Fehler, zu glauben, sie könnten die moralische Grenze ziehen, wenn es nötig wird.“ Doch diese Grenzen sind fließend. „Es ist ein allmähliches Akzeptieren“, sagte Khushf kürzlich in einem Interview mit Vision. „Die Gesellschaft gewöhnt sich an eine neue Technologie, und dann macht sie auch den nächsten Schritt mit.“

Zwar sind sich die meisten Wissenschaftler darüber einig, dass diese neuen Techniken reguliert werden müssen, aber die Frage, wer das tun soll, ist umstritten. Das Wahrscheinlichste ist, dass am Ende der Markt entscheidet, welche Technologien angewandt werden -- nicht die Wissenschaftler oder Regierungen. „Der Instinkt, leibliche Kinder hervorzubringen, ist sehr mächtig“, sagt Silver, „doch der Instinkt, seine Kinder mit allen denkbaren Vorteilen ausstatten zu wollen, ist ebenfalls stark, und beide zusammen werden die Menschen dazu treiben, diese Technologien anzuwenden, gleichgültig, was die Gesellschaft als Ganzes oder irgendeine Regierung sagen mag.“

Jede dieser Entwicklungen beinhaltet die Perspektive, tiefgreifende Veränderungen in unserer Auffassung von Sexualität, Ehe und Familie -- und durch sie in jedem anderen Aspekt der menschlichen Gesellschaft -- zu bewirken. Die derzeit angewandten, weniger drastischen fortpflanzungstechnischen Verfahren geben uns einen Vorgeschmack einer solchen Zukunft.

Es wurden bereits Kinder geboren, die sage und schreibe fünf Eltern haben“, sagt Jeffrey Kahn, Direktor des Bioethik-Zentrums an der University of Minnesota. „Man könnte eine Eispenderin, einen Samenspender, zwei Sozial- oder Adoptiveltern und eine Leihmutter haben. Die Anzahl der Personen, die zur Entstehung eines Kindes beitragen können, ist nun von zwei -- dem historischen ,Normalfall' -- auf mehrere gestiegen. Das verändert natürlich unsere Vorstellung davon, was eine Familie ausmacht.“

DER FAKTOR EHE 

Der Sex selbst wird natürlich nicht aus der Mode kommen. Wenn auch sein Fortpflanzungsaspekt anscheinend immer überflüssiger wird, ist der Spaßaspekt so beliebt wie eh und je, allerdings nicht unbedingt im Kontext der Ehe. Wenn man Fernsehen und Filmen glauben darf, haben alleinstehende Männer und Frauen, nicht Eheleute, den meisten Spaß am Sex. Oft wird scherzhaft gesagt, die Ehe sei die beste Methode, um sein Sexualleben zu ruinieren. Ist an diesem Scherz etwas Wahres?

Linda J. Waite, Soziologieprofessorin an der University of Chicago und Autorin von The Case for Marriage (Plädoyer für die Ehe), deutet ihre eigenen und andere Forschungen dahingehend, dass es nicht so ist. Sie zitiert zwei große, neue Umfragen zur Sexualität (die sogenannte Nationale Sexumfrage von Edward Laumann und eine andere Umfrage der Psychologen Scott Stanley und Howard Markman) und schließt: „Verheiratete haben sowohl mehr als auch besseren Sex als Singles. Sie haben nicht nur häufiger Sex, sondern sie genießen ihn auch körperlich und seelisch mehr als Unverheiratete. Nur Paare, die zusammen leben, schlafen häufiger miteinander als Ehepaare, aber sie genießen es nicht unbedingt so wie sie.“

Diese letzte Bemerkung bezieht sich auf dieselbe Studie, in der Männer und Frauen gebeten wurden, zu beschreiben, wie sie sich beim Verkehr mit ihrem Partner körperlich und emotionell fühlten. Vor allem die Männer, die ohne Trauschein mit ihrer Partnerin zusammenlebten, gaben eine weit geringere emotionelle und körperliche Befriedigung an als Ehemänner.

Waite meint, dass der Genussfaktor mit Verbindlichkeit zusammenhängt. „Ein Argument ist, dass die eingegangene Verbindlichkeit in einer Ehe den Sex verbessert“, sagte sie uns von Vision. „Das andere ist, dass die Ehe mit ihrem Versprechen sexueller Treue ein starker Anreiz ist, herauszufinden, was der Partner mag, und zu lernen, es ihm oder ihr zu geben. Wenn uns jemand am Herzen liegt, ist es in sich lohnend, etwas zu tun, das ihm oder ihr gefällt. Wenn man außerdem weiß, dass man nur mit diesem Menschen ein Sexualleben haben wird, hat man bessere Aussichten auf ein befriedigendes Sexualleben, wenn man tut, was ihm gefällt, weil er dann ebenfalls gefällig sein will. Es gibt also einen Anreiz, sogenannte beziehungsspezifische Fähigkeiten zu entwickeln.“

Es funktioniert aber auch in der anderen Richtung. „Es gibt immer Belastungen und Spannungen, wenn man zusammen lebt“, so Waite, „doch wenn man ein gutes Sexualleben hat, ist man motiviert, die Spannungen irgendwie auszubalancieren.“

Neben den Forschungen von Waite, Laumann, Stanley und Markman wurden in den letzten Jahren mehrere andere Studien durchgeführt, um mehr über aktuelle Trends in Sexualität, Ehe und Familie zu erfahren, darunter die wichtige Studie von Barbara Dafoe Whitehead und David Popenoe von der Rutgers University in New Jersey. Ihr Nationales Eheprojekt beinhaltet einen Jahresbericht mit dem Titel „The State of Our Unions“ (etwa: Der Zustand unserer Partnerschaften). Die Daten des diesjährigen Berichts wurden zwischen Januar und März erhoben und am 13. Juni 2001 veröffentlicht; er präsentiert einige interessante Ergebnisse über die Einstellungen von Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren zu Beziehung, Zusammenleben, Ehe und Elternschaft.

Wer möchte einen Seelenverwandten heiraten?“ fragt der aktuelle Bericht. „Praktisch jeder junge Erwachsene“, ist die Antwort. „Junge Erwachsene suchen heute eine lebenslange, tiefe, emotionelle und geistige Verbindung mit einem Menschen. Die überwältigende Mehrheit (94%) der Ledigen, die noch nicht verheiratet waren, bejaht die Aussage ,Wenn man heiratet, will man, dass der Ehepartner vor allem seelenverwandt ist.' Bei dieser Antwort besteht kein signifikanter Unterschied zwischen den Geschlechtern; der Anteil der Frauen und Männer, die bejahen, dass sie einen Seelenverwandten heiraten wollen, ist ähnlich hoch.“

Zwar lässt die Studie erkennen, dass viele junge Erwachsene manche Beziehungen auf “Sex ohne Bindung“ beschränken, doch sie berichtet auch, dass sie in Beziehungen mit dem Potential zur „Seelenfreundschaft“ häufig mit dem Sex warten.

MEHR ALS EIN BIOLOGISCHES BEDÜRFNIS? 

Die Ergebnisse des Berichts stehen in Einklang mit den Ergebnissen der bekannten Langzeitstudie von Judith Wallerstein über die Auswirkungen von Scheidungen auf Kinder. Die Kinder, deren Entwicklung sie verfolgte, sind heute als Erwachsene skeptisch, dass sie eine dauerhafte Ehe mit den Qualitäten einer Seelenfreundschaft erreichen können. Doch sie wünschen sie sich verzweifelt und bekunden eine tiefe Sehnsucht nach einer treuen, innigen und dauerhaften Beziehung.

Sexualtherapeuten beobachten außerdem im gesamten Spektrum der Gesellschaft einen Trend zu einer stärker vergeistigten Sexualität. Die Startherapeutin „Dr. Ava“ Cadell hat eine steigende Beliebtheit des Kama Sutra und des Tantra bemerkt, das sie als das Yoga der Sexualität bezeichnet. Sie glaubt, dass Sex künftig mehr Kommunikation zwischen Partnern beinhalten wird. „Die Monogamie wird wiederkommen, und Paare werden ein höheres Niveau der Bildung anstreben, um eine dauerhaft erfolgreiche Beziehung führen zu können“, schreibt Cadell.

Die Monogamie wird wiederkommen, und Paare werden ein höheres Niveau der Bildung anstreben, um eine dauerhaft erfolgreiche Beziehung führen zu können.”

Dr. Ava Cadell

Doch warum suchen wir eine solche geistige Erfüllung in unseren sexuellen Beziehungen? Wenn Sex nur eine biologische Notwendigkeit ist, ein „animalisches Bedürfnis“, warum wollen wir mehr davon haben als einfach körperliche Befriedigung oder Fortpflanzung?

Der komplexe menschliche Geist mit seinen geistlichen Eigenschaften und seinem Potential ist der entscheidende Faktor. Die Bibel nennt diese spirituelle Komponente den „Geist des Menschen, der in ihm ist“ (1. Korinther 2, 11). Dieses geistliche Element ist nicht die Person selbst, sondern etwas, das zum physischen Körper hinzukommt und dem Gehirn die Macht des Verstandes gibt. Darüber hinaus gibt es dem Menschen geistige und moralische Fähigkeiten, die Tiere nicht besitzen. Der Körper ist also lediglich der Mechanismus, das Vehikel, das der Geist lenkt und nutzt.

Die sexuelle Anatomie und ihre Funktionen sind durch ein Nervensystem direkt mit dem Gehirn verbunden. Bei Menschen ist jedoch nicht nur das Gehirn selbst an der sexuellen Aktivität beteiligt, sondern jeder körperliche Vorgang wird bewusst oder unbewusst vom Verstand gesteuert, dem „Geist des Menschen, der in ihm ist“. Nach dem Bild Gottes ist der Mensch mit diesem Geist oder Intellekt geschaffen, mit dem man denken, wissen und schlussfolgern kann. Tieren ist die Fähigkeit, schlussfolgernd zu denken, nicht gegeben.

Der „Geist des Menschen, der in ihm [uns] ist“, macht es uns möglich, tiefe, geistige Verbindungen mit anderen einzugehen. Er macht es uns möglich, mehr als nur die Aspekte der Fortpflanzung und der körperlichen Lust am Sex zu genießen. Diese Aspekte sind eindeutig nicht verkehrt, denn schließlich wurde den Menschen geboten: „Seid fruchtbar und mehret euch.“ Allerdings wurde dieses Gebot in einem Kontext gegeben: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch“ (1. Mose 2, 24). Zum Teil durch die sexuelle Gemeinschaft, an der der Geist voll beteiligt ist, entwickeln ein Mann und eine Frau eine tiefe, innige Bindung und werden „ein Fleisch“. Der Kontext für diese Gemeinschaft ist die Ehe. Innerhalb dieses Rahmens macht Sex Freude und ermöglicht den Aufbau einer Familie.

ERSTAUNLICHE PARALLELEN 

Was ist dann der Sinn der Sexualität? Als Reaktion auf die frühere, repressive Lehre, Sex sei sündig und nur zur Fortpflanzung erlaubt, hat sich nun das entgegengesetzte Extrem durchgesetzt: Jede Form von Sex gilt als akzeptabel, sei es in der Ehe oder außerhalb, solange es „niemandem schadet“. Die Ehe selbst wird sogar oft als bedeutungslos angesehen.

Doch keines dieser beiden Extreme ist vernünftig. Ein Zweck der Sexualität ist in der Tat die Fortpflanzung, aber da ist auch noch ein tiefer geistlicher Aspekt.

Über den Gewinn von Intimität hinaus entsprechen menschliche Fortpflanzung und sexuelle Liebe in der Ehe geistlichen Ebenbildern, die uns verstehen helfen, was der Zweck Gottes für das Leben des Menschen ist. Die menschliche Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt sind verblüffende Parallelen der Erlösung. Die Bibel erklärt, dass der menschliche Geist den Geist Gottes empfangen muss, damit die Erlösung geschieht. Wie das körperliche Leben damit beginnt, dass die Eizelle der Frau durch die Samenzelle des Mannes befruchtet wird, so beginnt das geistliche Leben damit, dass der Geist des Menschen durch den heiligen Geist befruchtet wird. Gottes Geist verbindet sich in unserem Verstand mit unserem Geist und ermöglicht es ihm, geistliche Dinge zu verstehen, die der menschliche Verstand allein nicht begreifen kann (1. Korinther 2, 11). Wie sich der menschliche Embryo vor der Geburt zu einem Fötus entwickelt, muss der geistliche „Embryo“ in der Gnade und Erkenntnis Christi wachsen (2 Petrus 3, 18), ehe er in das Reich Gottes hineingeboren wird.

Wie Jesus erklärt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist“ (Johannes 3, 5-6). Der Mensch ist aus Erde geschaffen und sterblich. Doch Jesus spricht nicht von einer zweiten körperlichen Geburt. Er spricht vielmehr über einen spirituellen Vorgang, der bei einer künftigen Rückkehr zum Leben, der Auferstehung, Frucht tragen wird (1. Korinther 15). Wenn menschliches Leben durch die sexuelle Vereinigung von Mann und Frau geschaffen wird, so ist diese analog zur geistlichen Empfängnis und Erschaffung eines künftigen Kindes Gottes.

Der Sinn der Sexualität liegt auch darin, etwas über eine höhere Form der Liebe zu lernen -- der Liebe, die von Gott selbst ausgeht. „... Gott ist die Liebe“, sagt der Apostel Johannes (1. Johannes 4, 8). Diese Liebe hat Christus bewiesen, indem er sein Leben für die Menschen hingab. Die Bibel sagt uns, dass Männer und Frauen einander in einer sexuellen Beziehung so lieben sollen, wie Christus die Kirche liebt. „,Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.' Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde“ (Epheser 5, 31-32, Hervorhebung vom Autor).

Den wahren Sinn der Sexualität in der Ehe zu verstehen, gibt ihr eine zusätzliche Dimension der Geistigkeit und Innigkeit. 

Den wahren Sinn der Sexualität in der Ehe zu verstehen, gibt ihr eine zusätzliche Dimension der Geistigkeit und Innigkeit. Es erfüllt unsere Sehnsucht nach einer tiefen Verbindung mit einem anderen Menschen und mit etwas außerhalb von uns selbst. Die geistige Verbindung und lebenslang verpflichtende Bindung, die die Menschen suchen, ist ein Bedürfnis, das uns von Anfang an eingepflanzt wurde.

Wenn wir den eigentlichen Sinn der Sexualität verstehen, wird nicht nur die Beziehung zu unserem Ehepartner gestärkt, sondern wir beginnen den gottgewollten Sinn des menschlichen Lebens zu begreifen: einst in eine geistliche Familienbeziehung mit Gott hineingeboren zu werden.