Halloween – Uraltes neu aufgemischt

Eine genauere Betrachtung dieses eigenartigen jährlichen Rituals sollte bei jedem, der sich Christ nennt, gewisse Fragen hervorrufen. 

Jedes Jahr im Oktober kann man seltsame Dinge beobachten, und das zunehmend weltweit. In Geschäften und Privatwohnungen begegnet man dekorativen Spinnweben, Skeletten, Hexen auf fliegenden Besenstielen und anderem gruseligen Zeug - ein sicheres Zeichen, dass Halloween naht. Bisher eher als amerikanisches Spektakel abgetan, entwickelt sich dieses seltsame Fest auch hierzulande zu einem Publikumserfolg.

Der National Retail Foundation (Nationale Einzelhandels-Stiftung] zufolge gaben die Amerikaner im letzten Jahr schätzungsweise 6,9 Milliarden Dollar für dieses Ereignis aus. Halloween ist in den USA als kommerziell erfolgreichstes Fest bereits auf die Nummer zwei hinter Weihnachten vorgerückt. Am Abend des 31. Oktober maskieren und kostümieren sich Kinder und ziehen mit dem Ruf „Trick or Treat?“ von Haus zu Haus, um von den Nachbarn Süßigkeiten einzusammeln. „Trick or Treat“ heißt: einen trick (Streich) zu spielen, wenn man kein Geschenk (treat), normalerweise Süßigkeiten, bekommt. Mittlerweile feiern Menschen aller Altersklassen dieses Fest, schnitzen Gesichter in Kürbisse und veranstalten verrückte Halloween-Parties, wo neben ausgefallenen Horrormaskierungen auch beliebt ist, die Zukunft vorauszusagen  und Geschichten über Gespenster und Hexen zu erzählen oder  aus einem mit Wasser gefüllten Topf  Äpfel zu fischen.

Halloween stammt von einer uralten rituellen Feier. Eine genauere Betrachtung dieses eigenartigen jährlichen Rituals sollte bei jedem, der sich Christ nennt, gewisse Fragen hervorrufen.

FERNE URSPRÜNGE 

Die Wurzeln von Halloween reichen 2000 Jahre zurück zu den keltischen Einwohnern der britischen Inseln. Die Kelten feierten Samhain, ein Fest zu Ehren des Feuers, das das Fest zum „Sommer-Ende“ war. Dieses Fest markierte auch ihr Neujahr, welches am 1. November begann. Drei Tage wurde gefeiert - es war der Beginn der dunklen Hälfte des Jahres. Man glaubte, dass die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten zu dieser Zeit gelockert und die Geister der vor kurzem Verstorbenen erscheinen würden und von den Lebenden Besitz ergreifen könnten.

Wie alle keltischen Feste, so wurde auch Samhain auf drei Ebenen gefeiert: Der materiellen , inneren  und  kosmischen Ebene.

Auf materieller Ebene bedeutete das Fest, dass man Inventur über die Lagervorräte für den kommenden Winter machte und Menschen und Vieh aus den Hügeln und Tälern in ihre Winterquartiere brachte. In dieser Zeit des Jahres alleine zu bleiben bedeutete, sich selbst den Gefahren der chaotischen „anderen Welt“ auszusetzen.

Auf der inneren, der geistigen Ebene war Samhain die magischste Zeit des ganzen Jahres: Der Tag, der nicht existierte. Die Grenzen zwischen den Welten verblassten und die Kräfte des Chaos fielen in das Reich der Ordnung ein. Der Tod war für die Kelten als kriegerisches Volk immer gegenwärtig und er machte ihnen keine Angst. Ihr einziger Wunsch war es, ehrenvoll zu sterben und in der Erinnerung ihres Stammes lebendig zu bleiben, sodass sie beim großen Fleadh nan Mairbh, dem Fest der Toten, am Abend von Samhain (31. Oktober) geehrt werden konnten. Die Kelten glaubten, dass sich in dieser Nacht die Geister der Toten und die Geister der Ungeborenen frei zwischen den Lebenden bewegen konnten, um die Menschen mit ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu vereinen. Insofern sah man dieses Fest auch als eine Gelegenheit, die Vorfahren zu ehren. Man glaubte, dass auch die anderen Gespenster und Geister, die aus der dunklen Seite, am Samhain umherstreiften und fürchtete sich vor ihnen.

Auf kosmischer Ebene kündete dieses Fest mit dem Erscheinen der Plejaden am Winterhimmel die Übermacht des Tages über die Nacht an und symbolisierte den ewigen Kampf zwischen Licht und Dunkel, Leben und Tod.

RÖMISCHER EINFLUSS 

Im ersten Jahrhundert des christlichen Zeitalters eroberten die Römer das Gebiet der Kelten. Nach römischer Gepflogenheit durften die von ihnen besiegten Völker nach wie vor ihre eigenen Religionen frei praktizieren. Interessanterweise gab es in Bezug auf das keltische Fest Samhain eine Reihe von Ähnlichkeiten zu ihrem römischen Fest Feralia. An diesem Fest gedachten die Römer ihrer Verstorbenen. Ferner weihten sie Pomona, der Göttin der Obstbäume, symbolisiert durch einen Apfel, einen Tag im Herbst. Die Herbstfrucht Apfel spielte auch im keltischen Samhain-Fest in einer Reihe von Bräuchen, Weissagungen und Ritualen eine zentrale Rolle. Einer dieser Bräuche, auch als Mittel zur Wahrsagung genutzt, war das „Apfelfischen“ (mit den Zähnen, ohne Zuhilfenahme der Hände) und das Entfernen der Apfelschale an einem einzigen Stück.

Mit der Bekehrung kam es zu einer Neudefinition der einheimischen Religion und ihrer Feiern, welche größtenteils auf die erfolgreiche Strategie der christlichen Missionare zurückzuführen ist.“ 

Jack Santino, Halloween and Other Festivals of Death and Life

Nach dem Ende der Herrschaft des Römischen Reiches hatte sich bis zum neunten Jahrhundert das Christentum auf den Britischen Inseln ausgebreitet; viele keltische Bräuche waren jedoch erhalten geblieben. Jack Santino, Professor für Populärwissenschaft und Mitglied der American Folklore Society, stellt fest: „Mit der Bekehrung kam es zu einer Neudefinition der einheimischen Religion und ihrer Feiern, welche größtenteils auf die erfolgreiche Strategie der christlichen Missionare zurückzuführen ist. Wenn die katholische Kirche ihre Missionare aussandte, um Völker zu bekehren, versuchte man, traditionelle Bräuche mit christlichen Begriffen und Konzepten umzuformulieren. So kam es, dass Papst Gregory I. seine Priester im Jahre 601 n.Chr. anwies, einen Baum, den Menschen anbeteten, nicht abzuhauen, sondern ihn einfach Christus zu weihen. Ferner wies der Papst seine Priester an, die Leute dazu zu ermutigen, sich an demselben Ort regelmäßig zu versammeln,  ihnen aber zu erklären, dass sie nun nicht mehr den Baum anbeten sollten, sondern den, dem der Baum geweiht wurde. Auf diese Weise passte die frühe Kirche den traditionellen Glauben der Menschen, die sie zu bekehren versuchten, ihrem System an. Viele der Feste und Feiertage, deren wir uns heutzutage erfreuen, entstammen dieser Politik und sind zum Teil Ableitungen aus solchen Festen und Feierlichkeiten, die bereits vorher existiert hatten. Halloween ist da keine Ausnahme (Halloween and Other Festivals of Death and Life, 1994).

Die römisch-katholische Kirche hatte bereits gewisse Tage speziellen Heiligen und Märtyrern zur Ehre geweiht. Als deren Zahl zunahm, konnte schließlich kein eigener Tag mehr für jeden Einzelnen gefunden werden. So setzte die Kirche einen allgemeinen Tag für alle Heiligen und Märtyrer fest [Allerheiligen], und das heidnische Samhain-Fest war eine ideale Basis für solch einen Tag.

Santino hält fest: „Der 1. November wurde zum Allerheiligen-Tag ausgerufen ... die Feier begann bereits nach Sonnenuntergang am 31. Oktober. Viele mit Samhain zusammenhängende traditionelle Überzeugungen und Bräuche, hauptsächlich jene, dass dies die Nacht der wandernden Toten war, sowie das Verteilen von Essen und Trinken an die maskierten und kostümierten Feiernden und das Anzünden von Feuern, wurden nach wie vor am 31. Oktober gefeiert. Dieser Abend ist heute bekannt als der Vorabend von Allerheiligen (in Englisch: Eve of All Hallows oder Hallow Even). Abgekürzt: Hallowe'en.

Um mehr Menschen zum christlichen Glauben zu bekehren, mussten die Praktiken der Kirche etwas mehr der ursprünglichen Bedeutung des Samhain-Festes angeglichen werden. 

Um 900 n.Chr. bemerkte die Kirche, dass Allerheiligen die vorchristlichen Bräuche noch nicht völlig ersetzt hatte. Um dies zu bewerkstelligen und mehr Menschen zum christlichen Glauben zu bekehren, mussten die Praktiken der Kirche etwas mehr der ursprünglichen Bedeutung des Samhain-Festes angeglichen werden. So wurde der 2. November zum Allerseelen-Tag ausgerufen. Santino bemerkte ferner: „Dieser Tag findet in Anerkennung aller im Glauben dahingeschiedenen Seelen statt, die im letzten Jahr gestorben waren. Dieser Tag steht dem Geist des keltischen Samhain-Festes um einiges näher als Allerheiligen.“

HALLOWEEN ZIEHT GEN WESTEN 

Als die Siedler von den Britischen Inseln nach Nordamerika kamen, brachten einige ihre Halloween-Bräuche mit. Aufgrund der vorherrschenden streng protestantischen Glaubensüberzeugungen, speziell in den Kolonien von Neuengland, fand das Fest jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Anhänger. Zu dieser Zeit kamen viele irische Einwanderer, die vor einer schrecklichen Dürre, die ihre Kartoffelernte vernichtete, flohen, und brachten ihre Halloween-Bräuche mit in die USA.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Halloween zu einem Gemeinschaftsfest mit Zusammenkünften in der Nachbarschaft. Man feierte den Tag mit Parties für Kinder und Erwachsene. In den 1920ern und 1930ern waren Paraden und Feiern in der ganzen Stadt das Übliche geworden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte der große Babyboom eine Änderung mit sich. Der Schwerpunkt des Feierns wurde von anfangs öffentlichen Gemeinschaftszentren auf Klassenzimmer und letztendlich auf Privathäuser verlegt, wo man die Kinder besser unterbringen konnte. „Tricks or Treats“ wurden wieder neu belebt und angepasst, und Halloween wurde zum kommerziellen und beliebten Fest von heute.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewann dieses Fest für eine wenig bekannte, jedoch wachsende Gruppe enorm an Wichtigkeit. Bereits auf einige Hunderttausende angewachsen, erklärten die „Neoheiden“ dieses Fest als das wichtigste Ereignis des gesamten Jahres. Diese neuen Heiden haben die keltische Geschichte sehr genau studiert, um so viel wie möglich über die Rituale und Bräuche der Druiden (der keltischen Priester und Intelligenz) herauszufinden. Diese modernen Heiden haben die politeistische Religion dieser historischen Völker wieder belebt. Und sie sind sich absolut darüber im Klaren, dass diese „christlichen“ Feste wie Halloween, Allerheiligen und Allerseelen einen vollkommen heidnischen Ursprung haben.

Isaac Bonewits, neoheidnischer Autor und pensionierter Erzdruide, schreibt auf seiner Internet-Webseite: „Die christliche Kirche war nicht in der Lage, die Menschen vom Halten dieses Feiertages abzuhalten, und so sprenkelten sie einfach ein wenig heiliges Wasser auf ihn und gaben ihm sowie den anderen alten heidnischen Festen und Bräuchen einen neuen Namen. Dies war eine Form von kalendarischem Imperialismus.“

Die christliche Kirche war nicht in der Lage, die Menschen vom Halten dieses Feiertages abzuhalten, und so sprenkelten sie einfach ein wenig heiliges Wasser auf ihn und gab ihm einen neuen Namen.“

Isaac Bonewits, Isaac Bonewits, neoheidnischer Autor und pensionierter Erzdruide

Er fügt noch hinzu: Wenn vorgeschlagen wird, dass Halloween nicht in Schulen gefeiert werden soll, „weil es ein ,heidnisches Fest‘ sei, habe man zwar absolut Recht. Allerdings seien auch beim Valentinstag (Lupercalia), bei Ostern (Eostre) und bei Weihnachten (Yule) heidnische Elemente in den Daten oder Symbolen aufzufinden... Wenn wir uns also dafür entscheiden, all diese Feiertage, die heidnische Aspekte aufweisen, aus den öffentlichen Schulen zu entfernen, bleiben den Kindern nicht mehr viele zum Feiern übrig.“

Bonewits zitiert zum Thema Entwicklung von Halloween einen weiteren Neoheiden, Philip Carr-Gomm, Autor des Buches The Elements of the Druid Tradition: „Mit Anbruch des Christentums wurde dieses Fest zu Hallowe'en (31. Oktober), Allerheiligen (1. November) und Allerseelen (2. November). Wir können anhand dieser Entwicklung ganz deutlich erkennen, wie das Christentum auf die heidnischen Ursprünge baute, die es auf den Britischen Inseln vorfand. Nicht nur stimmt die Bedeutung des Festes mit der alten überein, sondern auch die ungewöhnliche Dauer des Festes ist damals wie heute identisch.“

HARMLOSER SPASS? 

Heutzutage feiert man das tief in uralten heidnischen Ritualen und Bräuchen verwurzelte Fest Halloween auf breiter internationaler Ebene. Trotzdem stellen sich einige provokative Fragen. Was lehren wir da unseren Kindern? Warum feiern wir im 21. Jahrhundert Feste, die auf Verherrlichung von bösen Geistern, Hexen, Magie, Gespenstern, Tod und einem Pantheon von heidnischen Göttern und Göttinnen aufgebaut sind?

Warum halten und unterstützen Menschen, die sich Christen nennen, solche Feste und feiern sie mit ihren Kindern? Zählt Halloween nicht genau zu der Art von Feierlichkeiten, von denen der Apostel Paulus sprach, als er die Nachfolger Christi ermahnte, sie sollten sich von den fragwürdigen Bräuchen ihrer Gesellschaft fernhalten? Paulus schrieb an die Bekehrten in Korinth: „Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus überein mit Beliar? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? . . . Darum geht aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr; und rührt nichts Unreines an, so will ich euch annehmen. (2. Korinther 6, 14-15. 17)

Diese Worte des Apostels Paulus weisen auf einen unpopulären und vernachlässigten Aspekt der christlichen Botschaft hin. Dieses vollkommen heidnische Fest nicht zu halten ist nur ein Beispiel, wie wir seine Warnung ernst nehmen können.