Antike Städte, bleibende Wahrheiten

Vor Kurzem hat eine Reise in den Westen der Türkei mir vieles wieder bewusst werden lassen, neue Eindrücke vermittelt und bestätigt, wie wertvoll es ist, dort, wo Menschen gelebt haben, etwas über sie zu erfahren.

Die Türkische Republik kommt derzeit häufig in den Nachrichten vor, weil sie eine Grenze mit Syrien hat, über die ein steter Strom Flüchtlinge aus diesem kriegszerrissenen Land bringt. Die Türkei ist muslimisch geprägt, hat eine konservative Regierung und ist Mitglied der NATO. Ihre Wirtschaft macht sie zu einem wichtigen Handelspartner vor allem für Deutschland, Russland, den Irak, den Iran, Großbritannien, die USA, Italien, Frankreich, China und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Doch die heutige Türkei hat auch eine lange Geschichte; ihre Bürger sind Nachfahren von Hethitern, Hurritern, Phrygiern, Lydiern, Lykiern und Karern. Ihre griechischen und römischen Epochen sind durch die vielen archäologischen Fundorte bekannt, die man besichtigen kann. Der Zweck meiner Reise bestand darin, die sieben Gemeinden der biblischen Offenbarung noch einmal zu besuchen (siehe „Apokalypse jetzt, später oder nie?).

Im ersten Jahrhundert war Ephesus die bekannteste alte Stadt der römischen Provinz Asia; ihre damalige Einwohnerzahl wird auf 250.000 geschätzt. Heute ist es als Weltkulturerbe vorgeschlagen und noch immer ein Ort, den man gesehen haben sollte. Auch in der Römerzeit musste man Ephesus gesehen haben, denn sein Artemistempel war eines der Sieben Weltwunder der Antike. Die Göttin Artemis (in Rom Diana genannt) trug die Beinamen Herrin, Erlöserin, Königin des Himmels und Königin des Kosmos.

Als der Apostel Paulus in der Stadt war, versammelten sich im Theater, das 20.000 bis 24.000 Zuschauer fasst und noch heute steht, Kunsthandwerker und protestierten heftig gegen seine Lehre über von Menschen gemachte Götzenbilder (Apostelgeschichte 19). Die Stadtoberen waren ihm freundlich gesonnen und ermahnten ihn, nicht hineinzugehen und seine Sicht zu vertreten. Er war klug genug, es zu unterlassen, blieb am Leben und konnte an anderen Orten wirken.

Knapp 180 Kilometer nördlich von Ephesus liegt die eindrucksvolle griechisch-römische Stadt Pergamon (heute Bergama). Die Stadt war berühmt für ihre antike Bibliothek und ein Zentrum der Heilkünste; ihre Akropolis erhebt sich über die Landschaft, beherrscht von den Ruinen des Zeus-Altars und des Trajan-Tempels. Als Johannes die Offenbarung schrieb, waren die meisten dieser Bauten zu sehen. Mit dem „Thron des Satans“ im zweiten Kapitel meinte er vielleicht diesen heidnischen Altar, von dem es heißt, dort seien 24 Stunden pro Tag und sieben Tage pro Woche Opfer zelebriert worden – vielleicht aber auch die Stadt als Zentrum der römischen Verfolgung von Menschen, die sich dem Kaiserkult verweigerten.

Knapp 230 Kilometer südöstlich von Bergama liegen die Ruinen von Laodizea, das im ersten Jahrhundert berühmt für feinste schwarze Wolle, Augensalbe, Bankgeschäfte und Handel war. Von dieser wohlhabenden Stadt wurde in den vergangenen zehn Jahren viel entdeckt, darunter Straßen, Tempel, Häuser und Stadttore. Die Rekonstruktion schreitet voran, und es ist vorstellbar, dass diese archäologische Fundstätte es eines Tages mit Ephesus aufnehmen kann.

Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“

Prediger 1, 9; Einheitsübersetzung

Doch warum diese staubigen Stätten besuchen, außer weil es historische Kuriositäten sind? Meine rund 80 Mitreisenden waren aus mehreren Gründen begeistert. Kulturell war es ein Bildungserlebnis, in einem modernen islamischen Umfeld eine Hochkultur würdigen zu lernen, die Wärme und Gastfreundschaft eines Volkes mit langer Geschichte zu genießen. Historisch bot es einen wertvollen Kontext für das menschliche Streben. Die Menschen haben seit Jahrtausenden mit den gleichen Belastungen und Mühen, Niederlagen und Errungenschaften (kein Grund zur Arroganz ob des Lebens im 21. Jahrhundert!) umzugehen. Biblisch sind die Lage der sieben Gemeinden und die Lehren, die Johannes an sie schrieb, eine eindrucksvolle Erinnerung daran, dass es sich lohnt, an Werten festzuhalten, und dass Kompromisse nie dauerhaften Lohn bringen. Nur wenn wir den menschlichen Hang zum Abrutschen überwinden, werden wir das ewige Leben erlangen (siehe Offenbarung 2 und 3).