Eine Identitätskrise

In den ersten vier Jahrhunderten des christlichen Zeitalters suchte die Kirche ihre Identität getrennt von ihren jüdischen Wurzeln zu etablieren. Dabei änderte sich allmählich das Gesicht des Christentums. Diese Metamorphose hatte weitreichende Folgen. Sollte die Christenheit sich darum bemühen, ihre vergessenen Fundamente wiederzuentdecken? 

Das Christentum nahm seinen Anfang innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Jesus Christus war Jude, seine Jünger waren Juden, ebenso wie die meisten seiner ersten Anhänger. Heute erleben wir, dass die Bücher, aus denen das Neue Testament besteht, von der Bibelwissenschaft wieder zunehmend in Ursprung und Wesen als jüdisch wahrgenommen werden.

Wir stehen am Beginn eines neuen Jahrhunderts und neuen Jahrtausends; das ist vielleicht ein guter Zeitpunkt, uns ein wenig genauer daran zu erinnern, dass die wahre Identität des Christentums auf jüdischen Grundlagen beruht und von der des Judentums im weiteren Sinn nicht getrennt ist. Vielleicht ist es ein guter Zeitpunkt, um die jüdischen Fundamente des christlichen Glaubens wiederzuentdecken.

Für die Führer des römischen Reiches im des ersten Jahrhundert war das Christentum nichts anderes als eine Sekte des Judaismus.

Wie lebten Christen und Juden im Römischen Reich zusammen? Für die Herrschenden des Römischen Reiches im 1. Jahrhundert war das Christentum nichts anderes als eine jüdische Sekte. Selbst wenn sie in vorwiegend ‚heidnischen‘ Gebieten des Reiches waren, wandten sich die Apostel an die dortigen jüdischen Gemeinden - zum Beispiel in Korinth und Rom. Eine Zeitlang genoss das Christentum die gleiche Freiheit der Religionsausübung, die Rom den Juden eingeräumt hatte.

Doch bereits im 5. Jahrhundert konnten Beobachter feststellen, daß sich das Christentum, wie es sich inzwischen entwickelt hatte, nicht vom Heidentum unterschied. Die Manichäer gehörten zum damaligen Römischen Reich, und ihre Glaubensinhalte stammten aus verschiedenen asiatischen Quellen. Faustus, einer ihrer Bischöfe, hielt Augustinus von Hippo (dem heiligen Augustinus) vor, die Kirche sei nichts anderes als eine Abspaltung (Schisma) vom Heidentum. „In einem Schisma“, behauptete Faustus, „wird gegenüber dem Ursprünglichen wenig oder nichts verändert; so habt ihr zum Beispiel in eurem Schisma von den Heiden die Lehre eines einzigen Prinzips mitgebracht, denn ihr glaubt, daß alle Dinge von Gott sind. Die Opfer macht ihr zu Liebesmahlen, die Götzen zu Märtyrern, die ihr anbetet wie sie ihre Götzen. Ihr besänftigt die Schatten der Verstorbenen mit Wein und Nahrung. Ihr haltet dieselben Tage heilig wie die Heiden, zum Beispiel die Kalenden und die Sonnenwenden. An eurer Lebensweise habt ihr nichts geändert. Ihr seid eindeutig ein bloßes Schisma, denn der einzige Unterschied vom Ursprünglichen besteht darin, daß ihr getrennt zusammenkommt“ (St. Augustinus, Reply to Faustus the Manichaean, Book XX. Online posting 1999. New Advent Catholic Website. March 9, 2000.).

Faustus' Auseinandersetzung mit Augustinus betraf die Tatsache, daß die Christen ihre eigenen Feiertage und Feste auf die gleichen Tage gelegt hatten wie die heidnischen Feste. Dadurch wurde es den heidnischen Völkern des damaligen Römischen Reiches erleichtert, die neue Staatsreligion, das Christentum, mit nur minimalen Änderungen gegenüber ihrer bisherigen Lebensweise zu akzeptieren. Für Augustinus war das populäre Schauspiel im Theater oder Zirkus durch das Schauspiel der Kirche ersetzt worden.

Quodvultdeus, ein Schüler des Augustinus, hielt seiner Gesellschaft vor, „ihre Leidenschaft für Schauspiele umzulenken, statt sie aufzugeben“ (Sermo 3.2, De Symbolo I: Corpus Christianorum, Series Latina, LX). Für Augustinus war das wahre ‚Schauspiel‘ im Neuen Jerusalem, der Stadt Gottes, zu finden. Doch dieses Schauspiel hatte sowohl die Festtage als auch die Göttertempel der heidnischen Gesellschaft übernommen. Das Christentum hatte sich dem Heidentum akkulturiert.

Akkulturation bedeutet „die Übernahme fremder geistiger oder materieller Kulturgüter“ [ Brockhaus/Encarta] mit dem Ziel, eine Gesellschaft zu verändern und eine bessere, neue zu erschaffen. Sie unterscheidet sich von der Assimilation, die, wie einige meinen, zwischen dem Christentum und dem Heidentum stattgefunden hat. Die Assimilation führt dazu, daß die Merkmale einer Kultur von einer anderen absorbiert werden, während die Akkulturation aus zwei Kulturen eine dritte, neue schafft.

ATHEN ODER JERUSALEM? 

Das Christentum begann im Judäa des 1. Jahrhunderts - einer jüdischen Gesellschaft. Es beruhte auf den heiligen Schriften des jüdischen Volkes, aber sein Stifter beabsichtige einiges zu korrigieren, was dem Judentum fehlte. Darüber hinaus umfaßte es allgemein anwendbare Lehren, die von bestimmten Teilen der zeitgenössischen jüdischen Obrigkeit übersehen worden waren. Die Bücher des Neuen Testaments zeigen, wie die Apostel und andere Evangelisten die christliche Botschaft in die ganze bekannte Welt trugen. Mit dem Fall Jerusalems im Jahr 70 verlor diese Stadt ihre Stellung als Brennpunkt der Christenheit. Danach verlagerte sich der Brennpunkt nach Kleinasien, wo der Apostel Johannes als letzter der ersten Apostel sein Leben beschloss, wie der Historiker Papias im 2. Jahrhundert berichtete.

Tertullian von Karthago warf im späten 2. Jahrhundert eine Frage auf, die während der gesamten Kirchengeschichte nicht verstummt ist: „Was hat Athen mit Jerusalem zu tun?“ Tertullian reagierte auf eine Veränderung, die sich innerhalb der Kirche vollzog und durch die seiner Auffassung nach die philosophischen Begriffe des Hellenismus an die Stelle biblischer Maßstäbe traten. Dies geschah auf zwei Ebenen in der gesamten Kirche: sowohl in ihren Praktiken als auch in den zugrunde liegenden Glaubensinhalten.

Tertullian reagierte auf eine Veränderung, die sich innerhalb der Kirche vollzog und durch die seiner Auffassung nach die philosophischen Begriffe des Hellenismus an die Stelle biblischer Maßstäbe traten.

In seiner Predigt „Über den Götzendienst“ (Kapitel XIV) geißelte Tertullian diejenigen, die sich als Christen ausgaben, aber an den heidnischen Aktivitäten des Zirkus teilnahmen. Dies geschah besonders an bestimmten Tagen wie den Saturnalien und dem Neujahrsfest - Tagen, die unserem 25. Dezember und dem 25. März entsprechen (dem Neujahrstag des julianischen Kalenders). Für ihn war dies unvereinbar mit der Lebensführung, die von wahren Christen verlangt wurde. Er wandte sich heftig gegen die Argumentation seiner Glaubensgenossen, man müsse „allen alles sein“, mit der sie ihr Tun rechtfertigen wollten, und verurteilte es anhand der Schrift.

Es gelang Tertullian offenbar nicht, die Unterwanderung der Kirche mit heidnischem Denken zu verhindern.

Auch andere vor ihm hatten sich den folgenreichen Veränderungen innerhalb der Kirche nicht in den Weg stellen können. Die Apostel hatten über Menschen geschrieben, die den ihnen anvertrauten Glauben korrumpieren wollten (2. Korinther 11, 13-15; 2. Petrus 2; Judas 4). In der Mitte des 2. Jahrhunderts reiste Polykarp, der ein Schüler des Apostels Johannes gewesen war, von Ephesus in Kleinasien nach Rom, um Einigkeit über das Datum des Passafestes zu erreichen. Polykarp feierte das Passafest nach dem jüdischen Kalender, während die Kirche in Rom ein neues Datum und eine neue Form für das Ereignis festgesetzt hatte, in dessen Mittelpunkt nun die Auferstehung stand (vgl. Aus Passa wird Ostern“).

Während der Herrschaft Konstantins (310-337) „geschah etwas, . . . das sowohl die Politik als auch die Religion in Europa veränderte. . . . Es veränderte Europa als politische Größe, aber auch das Christentum“ (Alistair Kee, Constantine versus Christ, SCM Press, London 1982, S. 1).

Das Christentum war erwachsen und zur Staatsreligion geworden. Es hatte sich von seinen jüdischen Wurzeln entfernt und sich dem Römischen Reich akkulturiert, und dabei war etwas Neues entstanden. Es war nicht mehr nur eine Religion. Es war eine politische Größe geworden, eine tragende Säule des Staates.

Das Christentum war erwachsen und zur Staatsreligion geworden. Es hatte sich von seinen jüdischen Wurzeln entfernt und sich dem Römischen Reich akkulturiert, und dabei war etwas Neues entstanden. Es war nicht mehr nur eine Religion. Es war eine politische Größe geworden, eine tragende Säule des Staates.

Von Konstantins Zeit an wurde das Christentum nun bei den Massen des Römischen Reiches eingeführt. Aber man musste es für sie akzeptabel und ansprechend machen. Dies ließ sich am leichtesten verwirklichen, indem man die Praktiken des Christentums dem anpaßte, was die Menschen schon gewöhnt waren. Ein christlicher Kalender aus dem Jahr 354 erweckt den Eindruck von Mehrdeutigkeit: Er nennt sowohl die christlichen als auch die heidnischen Festtage. Der Feiertagskalender der römischen Gesellschaft war eng mit ihrem öffentlichen Leben verknüpft; um Unruhen zu vermeiden, mussten die heidnischen Tage deshalb von ihrer bisherigen religiösen Bedeutung gereinigt und im christlichen Sinn umgedeutet werden. Um dies zu erreichen, bemächtigte sich die Kirche regelrecht des heidnischen Kalenders, und die heidnischen Festlichkeiten maskierten sich nach und nach als christliche Feste. Zur Zeit des Augustinus im späten 4. Jahrhundert waren diese Veränderungen bereits vollendete Tatsachen.

KREATIVE SPANNUNG 

Nach der geltenden Lehrmeinung zur Entwicklung des Christentums waren diese historischen Ereignisse nur eine natürliche Entwicklung: Das Christentum infiltrierte die bekannte Welt und eroberte entsprechend dem Auftrag seines Stifters die politischen Systeme der Zeit. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.

Das traditionelle Bild des Judentums innerhalb des Römischen Reiches wurde eigentlich durch spätere rabbinische Ergänzungen definiert und etabliert. Dann wurden religiöse Identifikationsmerkmale wie Beschneidung, Sabbat und Leben nach der Thora von Kirchenhistorikern benutzt, um künstliche Demarkationslinien zwischen Judentum und frühem Christentum zu ziehen. Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte die Kirche Auslegungen verschiedener wichtiger Bibelpassagen, die beweisen sollten, dass Christen weder nach der Thora lebten noch den Sabbat hielten. Ironischerweise lassen sich dieselben Passagen jedoch so lesen und verstehen, dass die Christen sich gerade an diese religiösen (jüdischen) Identifikationsmerkmale hielten.

Neue archäologische Untersuchungen jüdischer Funde in Italien haben gezeigt, dass diese traditionellen Identifikationsmerkmale in der Diaspora nicht immer erkennbar waren und dass die Auffassung von der Bedeutung jüdischer Identität nuancierter war, als generell angenommen wurde. Das ganze System jüdischer (und damit auch früher christlicher) Beziehungen zu den umgebenden Gesellschaften muss neu untersucht werden.

Über die archäologischen Indizien aus Italien schreibt L. Michael White: „Immer deutlicher wurde, daß traditionelle Annahmen über die statische Natur des Judentums in der Diaspora - ob in Beziehung zur späteren Entwicklung der rabbinischen Tradition oder zum Aufkommen der christlichen Bewegung - verworfen werden müssen. Statt dessen sehen wir ein vielfältiges und sozial aktives jüdisches Leben in der Diaspora, wo die konkurrierenden sozialen und kulturellen Notwendigkeiten der Selbstdefinition und der Assimilation von den Ortsgemeinden in einer kreativen Spannung gehalten werden“ („Synagogue and Society in Imperial Ostia in Judaism and Christianity in First Century Rome, Hrsg. Karl P. Donfried und Peter Richardson, Wm. B. Eerdmans, Grand Rapids, Michigan 1998, S. 33).

EIN WECHSEL DER FUNDAMENTE 

Wie kam es nun zu dieser Akkulturation?

Der Boden war schon gut vorbereitet. Im 2. Jahrhundert versuchte Marcion, die Kirche von ihrem hebräischen Fundament zu entfernen und auf rein hellenistischer Basis zu reformieren. Doch Marcion war seiner Zeit voraus. Er wurde als Ketzer angeprangert und von der Kirche exkommuniziert. Seine Irrlehre war jedoch ein fruchtbarer Same, der später sprießen und viele Früchte tragen sollte. Innerhalb der nächsten drei Jahrhunderte machte sich die Kirche die Ideen zu eigen, von denen er geträumt hatte. Erst in den letzten Jahrzehnten ist Marcions anhaltender Einfluss auf die Kirche wirklich erkannt und analysiert worden.

Zu Beginn des 3. Jahrhunderts verband Origenes im ägyptischen Alexandria als erster die Glaubensinhalte der Kirche mit denen der letzten heidnischen Denkschule, des Neoplatonismus, dessen wichtigster Vertreter sein Landsmann Plotin war. Beide hatten sogar bei demselben Lehrer studiert. Ihre Ideen kamen fast zweihundert Jahre später in den Schriften des Augustinus zur vollen Reife. Während dieser Zeit bewegte sich die Kirche in wichtigen Dingen von ihrer biblischen Grundlage fort, an der Juden und Christen im 1. Jahrhundert noch festgehalten hatten. Insbesondere löste sie sich von der biblischen Auffassung der Zeit selbst. Die Kirche passte sich dem Römischen Reich an, indem sie eine philosophische Basis übernahm, die den Neigungen der Einwohner des Reiches entgegenkam und die aus einer biblischen Perspektive als götzendienerisch und heidnisch bezeichnet worden wäre.

Die Kirche passte sich dem Römischen Reich an, indem sie eine philosophische Basis übernahm, die den Neigungen der Einwohner des Reiches entgegenkam und die aus einer biblischen Perspektive als götzendienerisch und heidnisch bezeichnet worden wäre.

Wenn man das Neue Testament genau liest, ergibt sich ein ganz anderes Bild als das dieser heidnisch gewordenen Kirche. Das Christentum gedieh generell in der Nähe der Synagoge. Es wandte sich in erster Linie an die Juden und dann an die Nichtjuden oder Heiden, die Kontakt mit Juden hatten. Die Apostelgeschichte des Neuen Testaments berichtet über kleine Gruppen von Menschen, die keinen politischen Einfluss in der sie umgebenden Welt anstrebten. Die Veränderung, nach der sie strebten, begann unter ihnen selbst und würde darin gipfeln, dass Jesus Christus bei seiner Wiederkunft sein Reich auf Erden errichten würde. Dies war der Kern so vieler Prophezeiungen im Alten Testament - Prophezeiungen, die nach fast 2000 Jahren christlicher Geschichte noch immer auf ihre Erfüllung warten.

Die heidnische Welt sah das Christentum als destruktive Kraft. Lukas' Bericht über die Konfrontation zwischen Paulus und Demetrius in Ephesus zeigt eine Welt, die von der des Augustinus und des 4. Jahrhunderts noch weit entfernt war (Apostelgeschichte 19, 23-40). Für Demetrius stellten die Lehren des Paulus eine Kraft dar, die die heidnischen Praktiken seiner Stadt niederreißen, vernichten und ersetzen würden, statt sie sich einzuverleiben und sie zu absorbieren. Die christliche Lehre würde die existierende Welt auf den Kopf stellen, statt mit ihr zu verschmelzen.

Nach seiner zweiten evangelistischen Reise nach Kleinasien und Griechenland wurde Paulus in Jerusalem verhaftet und in Cäsarea Felix, dem König der Juden, vorgeführt. Paulus hatte sowohl vor Juden als auch vor Nichtjuden gepredigt, doch seine Ankläger in Jerusalem sahen ihn trotzdem als Anführer einer jüdischen Sekte: Er wurde beschuldigt, ein Rädelsführer der Nazarener zu sein (Apostelgeschichte 24, 5). Das deutsche Wort ‚Sekte‘ in dieser Passage ist eine Übersetzung des griechischen hairesis; mit dem gleichen Begriff bezeichnete Josephus die wichtigsten religiösen Gruppierungen im Judentum des 1. Jahrhunderts. Insofern lautete die Anklage gegen Paulus, er sei der Anführer einer Gruppierung innerhalb der damaligen jüdischen Religion. Sein Ankläger verwendete den Ausdruck mit polemischer Absicht, doch Felix war sich sicher bewußt, was dieses Wort bedeutete.

Interessanterweise läßt sich eine Gruppe mit der Bezeichnung Nazarener bis zum Ende des 4. Jahrhunderts durch die Geschichte des Römischen Reiches verfolgen. Die bekannten Glaubensinhalte und Praktiken dieser Gruppe entsprechen den Handlungsweisen und Maßstäben christlicher Gruppen, die im Neuen Testament geschildert werden, recht genau. Sowohl die jüdische als auch die größere christliche Gemeinschaft sahen sie als häretisch an (Ray A. Pritz, Nazarene Jewish Christianity, Magnes Press, Jerusalem 1988).

Doch zur Zeit des Augustinus hatte das Christentum das äußere Gewand und in seiner Spiritualität auch die innere Seele übernommen, die einst das Heidentum geschmückt und charakterisiert hatten. Ihre Trennung von den jüdischen Wurzeln des 1. Jahrhunderts war vollständig.

VERLORENE IDENTITÄT 

Heute, gut 15 Jahrhunderte später, gilt das Christentum in der säkularisierten westlichen Welt weitgehend als irrelevant. Kein Wunder. Versuche, an der Schwelle des 3. Jahrtausends ein Gefühl allgemeiner religiöser Inbrunst und Erwartung zu schaffen, waren nicht sonderlich erfolgreich. Die westliche Gesellschaft ist im Großen und Ganzen zu ihren gottlosen Zirkussen, Theatern und anderen Unterhaltungen zurückgekehrt.

Alle diese nachprüfbaren Fakten konfrontieren uns mit entscheidenden Fragen von großer Tragweite. Wurde das Christentum in wichtigen Dingen daran gehindert, die Lehren seines Herrn weiterzugeben? Ist es schon in den ersten Jahrhunderten vom Weg abgekommen, weil es die Identität, die ihm gegeben war, dem Streben nach einer scheinbar großartigeren Rolle opferte? Was wäre aus dem Christentum geworden, wenn es ein Korrektiv des zeitgenössischen Judentums geblieben wäre? Hätte es die ideale Manifestation des Gottesvolkes werden können, das Israel seit der Entstehung der Nation am Berg Sinai hatte werden sollen?

Viele sehen das Christentum als gescheitert an - und diese Fragen geben uns zu denken.